Kelten

Kriegskunst und Kampf

Die Kelten galten als streitsüchtig, der Krieg spielte in ihrer Welt eine zentrale Rolle. Mut war wichtig und das Tragen von Waffen das Hauptmerkmal des freien Mannes. Der Adel hob sich durch besonders prächtig gearbeitete Waffen vom einfachen Volk ab. Die Kelten beeindruckten ihre Feinde gerne mit ihrem Stolz, prächtiger Kleidung und Waffen. Die Standardbewaffnung bestand aus Speer und Schild, bei den Reicheren kam noch das Schwert, ein Helm und später auch ein Kettenhemd dazu. Es gab aber auch Pfeil, Bogen und Steinschleudern (Steinschleudern spielten in Britannien eine große Rolle).

Die Schwertklingen waren vom 5. – 3. Jh. v. Chr. kurz. Weiterentwicklung des Schmiedehandwerks und Kampfstiländerungen führten dann zwischen 2. und 1. Jh. v. Chr. zur Verlängerung der Klingen. Jetzt waren die Schwerter richtig lange Hiebwaffen, scharf und elastisch. Sie wurden rechts an einem Gürtel getragen, der aus Metallketten und Leder bestand und durch eine Schlaufe auf der Rückseite der Scheide geführt wurde.

Schilde waren gewöhnlich flache Holzbretter, meist mit Leder überzogen und zwischen 110 bis 140 cm hoch. Oft waren es hohe Ovale oder Rechtecke. Sehr bekannt war auch das kreisrunde Schild. Sie waren häufig bunt bemalt. In der Mitte des Schildes war der Handgriff, auf der anderen Seite der vorstehende Schildbuckel, der die Hand schützte. Die Schilde dienten in erster Linie der Abwehr von Schlägen, wurden aber auch als Angriffswaffen eingesetzt, mit denen der Feind geschlagen wurde. Eisenverstärkungen am Mittelknauf und als Schildeinfassung waren nicht selten.

Eisenhelme wurden ab dem 4. Jh. v. Chr. in Gallien hergestellt. Typisch war die ausgeprägte Helmspitze und auch der Nackenschutz. Viele der gefundenen Helme hatten sehr auffallende Verzierungen und Aufsätze. Das Kettenhemd wurde kurz nach 300 v. Chr. erfunden, davor trugen die Kelten scheinbar keinen Harnisch. Die Herstellung eines Kettenhemdes verlangte höchste Handwerkskunst, war kosten- und arbeitsreich, warum es wohl auch nur den hochrangigen und reicheren Kriegern möglich war, es in Auftrag zu geben. Obwohl es bis zu 15 kg schwer sein konnte, war es sehr effektiv. Überwiegend kämpften die keltischen Krieger aber weiterhin ohne jede Panzerung.

Es gab auch schon Streitwagen und sie spielten schon früh eine Rolle in der Kriegsführung der Kelten. Sie wurden von zwei Ponys gezogen und waren mit einem Wagenlenker und einem Krieger bemannt. Letztmalig wurden sie in Festlandeuropa 225 v. Chr., in der Schlacht von Telamon, eingesetzt. Nur Britannien hielt noch länger an ihrem Gebrauch fest. Die Streitwagen wurden immer mehr durch die Reiterei abgelöst.
Kampf

Die Zeit der Feldzüge begann, wenn die Straßen im Frühjahr abtrockneten und die Pässe wieder passierbar waren, sie endete mit dem Beginn des Winters.
Stehende Heere gab es nicht, die Truppen wurden nach Clan- und Stammesherkunft ausgehoben. Ebenso wurden verbündete Stämme und Söldner integriert. Wenn sich der Tross in Bewegung setzte, bestand er nicht nur aus Kriegern. Jede Menge Wagen, Frauen und Kinder begleiteten das Heer. Dadurch ging alles recht langsam voran. Die Disziplin war mangelhaft, was nicht zuletzt an dem ausgeprägten Stolz des Einzelnen lag. Es bedurfte starker Führungspersönlichkeiten, um einigermaßen Ruhe zu bewahren. Auch die hygienischen Bedingungen ließen zu wünschen übrig, wodurch die Anfälligkeit der Truppe gefördert wurde. Mehr Menschen starben durch Krankheiten und Seuchen, als durch den Kampf.

Keltische Krieger waren auch häufig als Söldner im Dienst anderer unterwegs. Im 3. Jh. v. Chr. gab es im transalpinen Gallien die sog. „Gäsaten“ (Speerträger). Zu Tausenden standen sie gegen Sold zur Verfügung, brachen aber auch zu eigenen Unternehmungen auf. Ihr Zusammengehörigkeitssinn war sehr ausgeprägt. Die Tapferkeit machte sie berühmt, ihren Wert als Söldner unschätzbar. Kelten standen in ägyptischen Diensten, griechischen, sizilianischen und auch karthagischen. Ein Problem war aber ihre Eigenwilligkeit, die es dem Auftraggeber schwer machte sie unter Kontrolle zu halten. Voreiliges Vorpreschen und Meutereien waren Alltag, wenn man keltische Söldner in seinen Truppen hatte.

Kam es zur Schlacht, schwärmten die Kelten nach Stammeskontingenten geordnet und in einer Schlachtreihe aus. Feldzeichen, überwiegend Tiersymbole, markierten den einzelnen Clan oder Stamm. Standen sich die Heere gegenüber fand immer das gleiche Ritual statt. Vorkämpfer forderten ihre Gegner zum Einzelkampf heraus. Krieger näherten sich dem Feind, rappelten ihre Ahnenreihe hinunter und gaben mit ihrer Tapferkeit an. Sie versuchten den Feind zu erschrecken. Das Getöse, Krieger- und Schlachtrufe, wurde immer lauter, je näher die Schlacht rückte. Kampfgesänge wurden angestimmt, die Schlachthörner geblasen. So wurde der „Blutrausch“ angeheizt, oft auch mit einer ganzen Menge Alkohol, und dem Feind gezeigt mit wem er es zu tun bekam. War der Höhepunkt erreicht, gingen die Kelten zum Angriff über und warfen sich auf den Feind. Viele ihrer Gegner desertierten in diesen Momenten aus den Reihen und rannten einfach nur um ihr Leben. Die Schlachtordnung war recht offen, denn die großen Stoßspeere und langen Schwerter brauchten viel Platz, sollten sie geschwungen werden. Die Schlacht dauerte nur sehr selten mehr als einen Tag, meist war sie schon nach einigen Stunden beendet. Eine Seite brach schließlich zusammen und trat den Rückzug an. Dann kam die Reiterei zum Einsatz, die dem davoneilenden Feind nachsetzte und jeden den sie erwischte tötete. Das konnte bis zur Dunkelheit dauern.

Frauen, Gold, Vieh und die Köpfe der toten Feinde waren begehrtes Beutegut. Besiegte Völker wurden zu Klienten oder Abhängigen gemacht, es war üblich Geiseln als Pfand zu nehmen. Geiseln wurden aus den Adelskreisen oder gar der Herrscherfamilie gestellt, sie waren eine „Vertragsunterstützung“, zur Sicherung. Wurde ein Bündnis geschlossen war diese Praxis auch durchaus üblich.

Verloren die Kelten, suchten die Heerführer den Tod im Kampf oder sie begingen Selbstmord, so sehr war ihr Stolz verletzt.

Als die antike Welt erstmals auf die Kelten traf, versetzten sie diese in Angst und Schrecken. Ihre Angriffslust war bald sagenumwoben. Die Kelten lernten von ihren Feinden und übernahmen bald die römische Belagerungstechnik. Vielen ihrer Heerführer fehlte es allerdings an Ge-schick und ihre Heere waren nicht ausdauernd. Wenn sie nicht in kurzer Zeit siegten verloren sie den Mut und neigten zum Rückzug. Und diese Schwäche blieb auch den Römern und Griechen nicht verborgen, die sie zu ihrem Vorteil nutzten. Da die Kelten weitgehend ungepanzert in die Schlacht zogen, waren sie durch Wurfspieße und Pfeile leicht zu verwunden, der Feind konnte sich dagegen in sicherer Entfernung aufhalten. Die römischen Legionen benutzten schwerere Spieße, um die Anstürme der Kelten zu brechen.
Sie umringten sie mit ihren großen Schilden und gingen dann mit ihren Kurzschwertern auf die ungeschützten Körper los – Achselhöhlen und Unterkörper waren besonders beliebt. Die Kelten konnten nur fliehen oder wurden getötet.

Die keltischen Truppen waren recht lose Verbände, ihnen fehlte der Zusammenhalt. Geriet ein Teil der Kampfreihe in Bedrängnis, breitete sich leicht eine Panik aus. Sie hatten auch immer Probleme mit dem Nachschub. Manchmal mussten ihre Feinde einfach nur so lange warten bis die Truppe ausgehungert war und wieder abzog. In Bezug auf Waffen und Mut waren sie den Römern ebenbürtig, zahlenmäßig waren sie mitunter unterlegen, aber stets unterlegen waren sie an Ausdauer und Disziplin. Vorteile der Römer waren ganz klar Zusammenhalt, Standhaftigkeit, Drill und das Vertrauen untereinander.

Eine der größten Schlachten zwischen Galliern und Römern war die von Telamon, 225 v. Chr. Eine großes Gäsatenheer zog über die Alpen in die Gallia cisalpina. Es schlossen sich Insubrer, Boier und auch noch andere dem Angriff auf die Römer an. 50000 Mann Fußvolk, 20000 Streitwagen und Reiter rückten gegen Rom vor. Bei Faesulae besiegten sie in einer blutigen Schlacht eine römische Streitmacht, mussten dann aber feststellen, dass ihnen ein weiteres Heer entgegentrat. Mit ihrer Beute machten sie sich auf den Rückzug, wichen dem Heer nach Norden aus. Weder Verfolgte noch Verfolger wussten, dass sich eine weitere Streitmacht von Sardinien aus nach Süden vorarbeitete, um den Galliern den Weg abzuschneiden. Die Gallier saßen zwischen zwei Heeren in der Falle und als es zur Schlacht kam, gab es kein Entrinnen.