Störtebeker

Klaus Störtebeker

im Kontext mit den tom Brook

Über den berühmt-berüchtigten Seeräuber Nikolaus Störtebeker ist viel geschrieben worden. Da die ‚Likedeeler’ in der Geschichte des Brookmerlandes und somit des Geschlechtes der tom Brok über einen Zeitraum von fünf Jahren eine nicht unerhebliche Rolle spielen, ist es wohl angemessen, hier darauf einzugehen.

Störtebeker, der 1401 in Hamburg auf dem Grasbrook hingerichtet worden sein soll, prägt bis heute das Bild der Likedeeler, obwohl er nicht der eigentliche Kopf gewesen ist, das war Gödeke Michels. Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen „Vitalienbrüder“ (= Beschaffer von Lebensmitteln für belagerte Orte) und „Likedeeler“. Die Vitalier, wie sie auch genannt werden, waren überwiegend in der Ostsee tätig, was in der Entstehungsgeschichte begründet ist. Die Brüderschaft der Likedeeler (= Gleichteiler) entstand an der Nordseeküste und zwar mit großer Wahrscheinlichkeit aus  Freiheitheitsbestrebungen heraus.

Vitalier: 1392 stellten die Städte Wismar und Rostock Kaperbriefe aus und versprachen jedem Schutz, der Dänemark schädigte. Das war der Beginn der Vitalienbrüder. Das Engagement der Vitalienbrüder war somit öffentlich und gesellschaftlich legitim und genoss damit auch großes Ansehen. Für solch ein Unternehmen wurden Führungspersönlichkeiten benötigt. Diese fanden sich unter den Edelleuten. Die Hauptleute der Vitalier waren zumeist wohlhabende mecklenburgische Niederadelige, die mit Billigung der mecklenburgischen Fürsten – vielfach ihre Lehnsherren – auf Kaperfahrt gingen. Daneben beteiligten sich Schiffer, Bauern, Handwerker und Bürger.

Es ist anfangs der Mecklenburger Adel in legitimem Auftrag auf Kaperfahrt gegangen. Der Friede von Falster und Skanör (zwischen Dänemark und Mecklenburg) vom 20. Mai 1395 beendet die rechtlich sanktionierte Tätigkeit der Kaperei. Der Mecklenburger Adel zog sich nach Fortfall der Rechtsgrundlage zurück.

Andere verlegten sich jetzt auf eigene Rechnung auf die Seeräuberei in der Nordsee (damals „Westersee“ genannt). Der Historiker Claus Heinrich Bill nennt einige Anführer: (Namen in heutiger Schreibweise in Klammern)

1391:

Ritter Bosse Kaland

(Anm.: d.h. er war der Meister einer Kalandgilde, demnach beteiligten sich auch Gilden an den Kaperunternehmungen) Ritter Bosse Kaland gehörte zu den Hauptleuten. 1387 und 1392 verkaufte er einige Ländereien in Mecklenburg, seine Frau verpfändete ihr Erbteil, denn er benötigte – wahrscheinlich zur Beschaffung der Kaperschiffe – viel Kapital. Schließlich gehörte er ab spätestens 1391 als Ritter ebenfalls zu den Likedeelern.

Lüchow, Heinrich

Mylges, Claus

Preen, Marquard

Rumbshagen, Lippold

Sanewitz, Rambold

Seedorf, Hartwig (die Seedorfer)

Stockeled, Bertram

Stük, Arnd

 

1392:

Manduvel [Manteuffel], Henning (Anm.: die Manteuffel sind Angehörige der Baltischen Ritterschaft)

Mylges, Nikolaus (Claus Mylges) (= Müller)

Preen, Marquard, Davermoor/Gfs. Schwerin (spät.: Gut Gottesgabe) 1392-94 Hauptmann

Stuke, Arnold (=Arnd Stük) vermutlich ein Gießer von Kanonen

 

1393:

Crabbe, Hennynk

Kremer, Rode (ein Kaufmann)

Mylres, Clawes (Nikolaus Mylges)

Stuke, Arnd (Arnold Stuke)

Tydemans, Hinrik (Tydemann = Zahlmeister)

Tymme, Clawis (Klaus)

und andere sowie einige familiär auch heute noch vermutlich recht eindeutig zuzuordnende Herren:

Hinrik van der Lu [v. der Lühe], Luder Ransouwe [Rantzau] (Anm.: schwed. Graf), Hans Meygendorff [Meyendorff], Ketelhoid [Ketelhodt], Hennyng Norman [Normann].

  • Bezeugt ist ein erstes Auftreten eines „nikolao störtebeker“ in dem Verfestungsbuch (Gerichtsbuch) von Wismar im Jahre 1380. In jenem Verfestungsbuch findet man das Protokoll über eine Schlägerei, in die ein gewisser „nicolao störtebeker“ verwickelt war. Danach zu urteilen, könnte Nicolao Störtebeker in Wismar ansässig gewesen sein, denn seine Kontrahenten wurden der Stadt verwiesen und waren demnach sog. „Nichtbürger“ oder „medewoner“ (Mit-Einwohner), ohne politische Rechte. Nach damaliger Rechtsprechung wurden fremde Störenfriede, also Nichtbürger, bei Vergehen immer der Stadt bzw. des Landes verwiesen. Das lässt darauf schließen, dass Störtebeker vermutlich Wismarer ‚burgaere’, d. h. Bürger, gewesen ist, der alle politischen Rechte besaß. Das volle Bürgerrecht konnte man erlangen, indem man im allgemeinen ein Jahr und einen Tag in der Stadt lebte und sodann den Bürgereid leistete und sich verpflichtete seine bürgerlichen Pflichten zu beachten.

Ausbildung von Handwerkern: Die Lehrlingsausbildung (Ausbildungszeit ca. fünf bis  neun Jahre) wurde bei einem Meister durchgeführt. Das Ende der Lehrzeit markierte das Gesellenstück. Danach wurde der Lehrling von der Zunft „freigesprochen“ (wie heute auch noch). Dann musste er auf Wanderschaft gehen, in andere Städte, andere Länder. Diese Wanderjahre waren oft hart, dienten aber der Fortbildung ungemein. Der Geselle arbeitete nun bei verschiedenen Meistern. Nach seiner Rückkehr konnte der Geselle in der Zunft mit sehr viel Glück zum Meister aufsteigen, denn dafür musste eine Meisterstelle vakant sein, d.h. ein Meister musste ohne Nachfolger verstorben sein. Die Anzahl der Meisterbetriebe war exakt festgelegt und begrenzt, um unnötige Konkurrenz auszuschalten.

Zur Meisterprüfung gehörte das Meisterstück. Die Zunft setzte das Meisterstück fest und überwachte dessen Ausführung – damals wie heute. Vorzugsweise nahmen die Meister ihre eigenen Söhne in die Zunft auf. Auf diese Weise vermieden sie unerwünschte Konkurrenz. Deshalb blieben viele Gesellen ihr Leben lang von ihrem Meister abhängig. Dies führte mitunter dazu, dass ein Geselle die Meisterin (auch, wenn sie seine Großmutter hätte sein können) nach dem Ableben des Meisters heiratete, um den Betrieb übernehmen und fortführen zu können, denn das spezielle städtische Erbrecht machte die hinterbliebene Frau voll erbberechtigt; dies im Gegensatz zum generellen Erbrecht, wo die Frau nicht erbberechtigt war. Starb die Meisterin, die ja meistens viel älter war als der junge Meister, dann heiratete der hinterbliebene junge Meister erneut, dann aber ein blutjunges Mädchen. Das war notwendig, um eigene Nachkommen zeugen zu können. Die Kartell-Politik des mittelalterlichen Handwerks machte es nahezu unmöglich, dass ein Geselle sich mit einer Frau aus einem anderen (fremden) Handwerk verbinden konnte. Gesellen verdienten sehr wenig, Lehrlinge gar nichts, im Gegenteil, sie mussten ‚Lehrgeld’ bezahlen, wofür ihnen Verpflegung und Unterkunft zustand.

Zünfte

Als ‚Zünfte’ bezeichnet man genossenschaftliche Organisationen von Handwerksmeistern gleichen oder verwandten Gewerbes. Im 13. Jh. begegnet man erstmals Zünften religiöser Art, sog. Kalandgilden. Diese Kalandsgilden waren durchweg fromme Brüderschaften zu Ehren Gottes und eines Heiligen, der als Schutzpatron galt. (z. B. Schiffergilde = Hl. Clemens = Clementinenbrüderschaft; die Gilde der Kaufleute u. (Handels-)Schiffer = Hl. Nikolaus; der Hl. Daminanus wurde zugleich als Patron der Stadt im Emder Wappen geführt.)

Daneben gab es in vielen Städten zunftzugehörige ‚Zunftregimenter’. Im 14. Jh. wandelten sich die Kalandgilden zu wirtschaftlichen Interessensgemeinschaften.

Es herrschte Zunftzwang. Den Zünften oblag die Sicherung der „bürgerlichen Nahrung“, was bedeutet, dass der Markt gewissermaßen für die Zunftmitglieder ‚reserviert’ wurde. Aus diesem Grunde erfolgte im Spätmittelalter eine zahlenmäßige Begrenzung der Handwerksbetriebe, denen Rohstoffe und Arbeitskräfte einheitlich zugeteilt wurden. Die sozialen Funktionen der Zünfte bestanden u.a. in Unterstützung (auch der Witwen, die meistens an Zunftmitglieder verheiratet wurden) und Darlehensvergabe für Zunftmitglieder. Daneben wurde ein Zusammengehörigkeitsgefühl durch Zunftbrauchtum geschaffen.

Zunftzeichen

Jede Zunft hatte ein Erkennungszeichen für alle Handwerker, die in dieser Zunft arbeiteten, z. B. Bäcker, Schuster, Fleischer, Kessler, Gold- und Silberschmiede, Kupferschmied, Schwertschmied, Weber, Brauer, Gießer, Färber, Sporenmacher, Harnischmacher, Arzt, Apotheker, Bader, Binder (Hausanstreicher), Dachdecker, Dreher, Drescher, Eicher, Fischer, Gerber, Glaser, Hafner (Töpfer), Helmschmiede, Karrenspanner, Käsbohrer, Köche, Kornmesser, Kramer, Kürschner, Läufer, Maler, Maurer, Melwer (Mehlhändler), Müller, Näherinnen, Ölschläger (Inhaber einer Ölmühle), Pfannenschmied, Ringdreher (für Kettenhemden etc.), Säckler (stellt aus Leder Taschen, Ranzen und dgl. her), Sattler, Scharwächter (ein Nachtwächter in den Straßen), Scherer (Barbiere), Schneider, Seiler (stellt Taue, Schnüre, Lindenstränge und Kordeln her), Spengler (Spangenmacher, später Blechschmiede und Klempner), Spießmacher, Wagner, Weingärtner, Zinngießer etc.

Jedes Handwerk war nochmals unterteilt in Spezialgebiete. So durfte der Blaufärber nur diese eine Farbe verwenden, der Hufschmied nichts anders als Hufeisen schmieden, der Kesselflicker nur Kessel flicken, aber keine neuen Kessel herstellen. Verstöße wurden hart geahndet.

1384 – In einem Vertrag der Hansa mit Heinrich IV. von England werden Gödeke Michael und Störtebeker erstmalig als Freibeuter genannt, da sie englische Schiffe gekapert haben. (Vergl. R. Haklvyt, The Principal Navigations of the Englisch Nation, London 1598) Das muß unter der Legitimation von Kaperbriefen gestanden haben. (Der Friede von Falster und Skanör zwischen Dänemark und Mecklenburg vom 20. Mai 1395 beendet die rechtlich sanktionierte Tätigkeit der Kaperei.)

Gudrun Schwichow schreibt im Ostfriesland-Magazin (Ausgabe 01/1992; 12/1991) zur Person von Störtebeker:

„Die Hamburger Chronik (Dr. Gallois) berichtet im Jahr 1862: „Störtebeker, der so stark war, dass er Ketten zerreißen konnte,…. 

Randbemerkung:

Ob Störtebeker Ketten zerreißen konnte, mag dahingestellt bleiben.

Allerdings ist in diesem Zusammenhang vielleicht interessant, dass Kaiserin Elisabeth, Herzogin von Pommern, (* ca.1337 + 14.02.1393; seit 1363 Gemahlin von Kaiser Karl IV, gekrönt zur Kaiserin in Rom am 01.11.1368) von zeitgenössischen Chronisten als ’ein hupsche Tochter’ und ‚überaus schön von Gestalt“ bezeichnet, über außergewöhnliche Körperkräfte verfügte. Elisabeth „war von so gewaltiger Leibeskraft, dass sie Hufeisen und Schwerter mit den Händen zerbrach und eiserne Panzerhemden wie Leinenstücke zerriss. Doch gab sie, da sie frommen und bescheidenen Sinnes war, nur auf Befehl ihres hohen Gemahls Proben ihrer herkulischen Kraft“. So soll sie beim Turnier 1371 in Prag ein neues Hufeisen von besonderer Stärke mit Leichtigkeit zerbrochen haben. Nach einem Bericht des mehrfachen Augenzeugen Benes von Weimühl konnte die 1,68 m große Frau „unbeschadet ihres schwachen Aussehens“ Hufeisen zerbrechen, große Messer und Schwerter wie Strohhalme knicken sowie Panzerhemden zerreißen.

Worin dieses Phänomen auch immer begründet sein mochte, so stellt sich doch die Frage, ob die dem Störtebeker nachgesagten gewaltigen Kräfte nicht vielleicht doch mehr als nur Legende waren. Unwillkürlich denkt man an die unerklärlichen Fähigkeiten eines Uri Geller, die auch heute noch der Wissenschaft Rätsel aufgeben. Es gibt eben Dinge zwischen Himmel und Erde…

(Anm.: Es entspricht der Wahrheit: meine 3-jährige Tochter konnte tatsächlich Löffel verbiegen durch Geisteskonzentration, also ohne die Kraft der Hände und ohne ein Werkzeug zu benutzen. Das ist mir bis heute ein Rätsel.)

Gudrun Schwichow:  ….(Störtebeker) war auch ein gewaltiger Trinker: In seiner Kajüte fand man einen großen Humpen, welcher vom Geber die stolze Inschrift führte:

Ik, Jonker Sissinga van Groninga, dronk dees Heusa in een fleusa door myn Kraga in myn maga. (Ich, Junker Sissinga von Groningen, trank diesen Krug in einem Zug durch meinen Kragen in meinen Magen.)

Gudrun Schwichow schreibt dazu: …Störtebeker, der in der Lübischen Chronik von Rufus als hovetlud (Hauptmann/Häuptling) bezeichnet wird, könnte sich demnach auf dem Becher als Junker ausgewiesen haben….

 Anmerkung:

  • Junker Sissinga stammte also aus Groningen und nicht aus Wismar. War es also unser gesuchter Störtebeker?
  • Die Bezeichnung ‚hovetlud’ ist nicht gleichbedeutend mit Häuptling (Hovetling, Hoofdeling). Hiermit ist ein Mann gemeint, der eine führende Position über einen Haufen Leute innehat (Hauptmann), nicht aber eine Herrscherfunktion wie dies bei den Häuptlingen der Fall gewesen ist.

Gudrun Schwichow schreibt dazu: Doch gab es die Bezeichnung „Junker“ schon um 1400?

J. Formsma (De Ommelander Borgen und Steenhuizen, 1987) schreibt in dem Kapitel „Van hoofdeling tot jonker“ (S. 16), daß die ersten Ritter oder Junker in Ostfriesland genannt werden. So wird schon im Jahre 1377 Ocko tom Brook, 1389 Lehnsmann des Albrecht von Bayern (Graf von Holland) als Ritter bezeichnet. Dessen Sohn Keno (gest. 1417) und Enkel Ocko werden in Chroniken und Urkunden „Junker“ genannt.

Anmerkung:

  • Die Bezeichnung „Junker“ = ‚junger Herr’ wurde schon lange vor jener Zeit zur Titulierung der Söhne des Adels (Junker oder Jonker ist eine Zusammensetzung aus: junk = jung und ..(h)er = Herr) benutzt, was eben immer vorausgesetzt hat, dass der junge Mann einst ein ‚Herr’ werden würde, nämlich im Sinne von Herrscher. Ocko tom Brook wurde von der Königin Johanna I. von Neapel zum Ritter geschlagen und somit stand seinen männlichen Nachkommen das Recht zu, als Junker tituliert zu werden. Die Gravur ‚Jonker’ lässt den Rückschluss zu, dass dieser genannte Sissinga von Adel gewesen ist und somit kein Handwerker.
  • Daneben muss in Betracht gezogen werden, dass dieser Sissinga-Becher durchaus ein Beutestück gewesen sein kann.

Gudrun Schwichow schreibt dazu: In der Überlieferung hat man diesen Spruch immer folgendermaßen erklärt: „Machte er (Störtebeker) nun Gefangene, so mussten sie, wenn sie nicht über Bord geworfen werden wollten, entweder ein hohes Lösegeld zahlen oder den großen Becher in einem Zuge leeren. Diese Probe hat aber nur ein Junker aus Groningen bestanden. Ihm zu Ehren trug der Becher die plattdeutsche Inschrift“. Er wurde nach dieser Gewaltleistung des Trinkens erst so genannt und ist somit selbst der „Junker Sissinga van Groninga“.

Anmerkung:

  • Weshalb sollte Störtebeker einem fremden Junker, der diese Trinkleistung erbrachte, soviel Ehre erweisen, indem dessen Namen auf einem Becher eingravieren ließ? Dass es sich bei der überlieferten Inschrift um das Groningerland und nicht um die Stadt Groningen handeln muss, ist daraus abzuleiten, dass der Herzog von Bayern / Graf von Holland, der den Seeräubern Schutzbriefe (am 15.8.1400 für Johann Störtebeker) ausstellte, von den sog. „Vetkopern“ (= Kaufleute – Fettviehhändler) unterstützt wurde, die in Opposition zu den Schieringern (Zisterzienserorden u. deren Anhänger) standen, die um 1400 in Groningen (Hansestadt) das Sagen hatten und zur Hanse hielten.“ (weiter s. OM 1/1992)

Gudrun Schwichow: „Und wie steht es mit der Existenz des Geschlechtes Sissinga im Groningerland? Der Groninger Archivar A. Pathuis nennt in seinem Buch „Groninger Gedenkwaardigheden“ unter der Nummer 3664 einen Johannes Sissingh (geb. 19. Oktober 1719, gest. 13. Dezember 1778), der Prediger in Tjamsweer war, in Termunterzijl geboren wurde…. Die Groninger Familie „Sissingha“ muß demnach ihren Ursprung im Klein-Oldambt gehabt haben, in einem Groninger Landesteil, wo die „Houwerdas“ aus Termunten zu Störtebekers Zeit das führende Geschlecht waren… Interessant bei der Annahme, dass Störtebeker aus Termuntersiel gekommen sein muss, ist, dass Sundermann in Ostfriesland drei mögliche Herkunftsorte Störtebekers nannte, nämlich Norden, Osteel und Siel (vergl. Bents, S. 27)….“

Anmerkung:

  • Wenn Störtebeker tatsächlich aus dem Groninger Hause „Sissinga“ stammte, könnte schon der Vater diese Bezeichnung seinem (Vor)-Namen angefügt haben. Merkwürdig nur, warum nur der ‚Spitzname’ und nicht der Name ‚Sissinga’ in dem vorgenannten Verfestungsbuch auftaucht, wenngleich auch nicht atypisch. Das Wappen der Sissinga ist ein Lindwurm. Wäre Störtebeker von Adel und aus dem Hause Sissinga gewesen, so hätte er doch wohl dieses Wappen geführt, ebenso wie auch den Namen.

Gudrun Schwichow: …Da Störtebeker in einem Schriftstück (Klageschrift/ 15. Dezember 1405) über Schadenersatz von König Heinrich IV. von England zum Jahre 1395 als „one called (genannt) stortebeker“ bezeichnet wird, ist er nicht unter diesem Namen geboren…

Ergänzung:

  • Fußt man auf dieser Recherche, dann ist es demnach sehr wahrscheinlich, dass der Name ‚Störtebeker’ ein Spitzname gewesen ist, wie z. B. Berufsbezeichnungen, Körpermerkmale oder Heimatorte, die bis hin zu bestimmten Bodenmerkmalen oft als Namensbezeichnung und Identifizierungshilfe dem Rufnamen angefügt wurden.
  • Eine kuriose Definierung des Namens ‚Störtebeker’, die mir einmal untergekommen ist, besagte, dass Störtebeker als Junge in einen Bach (Bäke) gestürzt (störten) sei.
  • Daneben gab es noch eine Namenserklärung im Zusammenhang mit dem Bäckerberuf. Wahrscheinlicher ist jedoch der Beruf des Glockengießers, denn als „Beker“ (= Becher) bezeichnete man dazumal den Glockenmantel!

Gudrun Schwicho schreibt:

„Die schon im „Herzöglich Mecklenburgischen Wappen“ genannte wendische (slawische) Greiffigur führt auf eine Spur. So muss das im Hunsingo (Groningerland) verbreitete Asinga-Geschlecht, das als Wappenfigur diesen Greif trug, slawischen Ursprungs sein und ist im Zuge der Ostkolonisation und Christianisierung als Handelsfamilie oder durch verwandtschaftliche Beziehungen ins nördliche Groningerland gekommen. Auch die Asinga in Rüstringen/Ostfriesland, die schon im 14. Jahrhundert von den späteren Knyphausen abgelöst wurden, gehörten zu diesem Stamm, was ihr „Asega-Buch“ (Rüstringer Landrecht) überliefert. Noch heute zeigt das Wappen der Knyphausen (Vorburg der Lütetsburg/bei Norden) den Greif der Asinga als Schildhalter.“

Noch heute zeigt das Wappen der Knyphausen (Vorburg der Lütetsburg/bei Norden) den Greif der Asinga als Schildhalter.

Das Siegel des Aytardus zu Hersinge aus dem Stamm der Asinga (Harsens/Groningerland) aus dem Jahre 1371 zeigt zuerst diesen Greif.

 

Ergänzung:

  • Anm.: der Greif ist das Amtssiegel der Richter
  • Der Greif ist ebenfalls das Wappentier des oberen Frankenlandes. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er bei der Besetzung Frieslands und Sachsens (sprich: Deutschland im weiteren Sinne) durch die Franken von dort zu uns gelangt ist.
  • Der Ursprung des Namens „Asinga“ ergibt sich aus dem Wort Asega. Asega ist die Titulierung für friesische Richter (Asega-Buch = Gesetzbuch). Der Asega hatte eine Machtposition inne, die dem eines Häuptlings in etwa vergleichbar ist. Da Friesland (somit Deutschland, was es ja noch nicht gab) lange unter fränkischer Herrschaft stand, dürfte der Greif fränkischen Ursprungs sein (Verleihung der Richtergewalt durch die Franken und damit auch des Amtssiegels). Als Vertreter der Franken haben Richter mit dem fränkischen Greifen gesiegelt! Hierbei ist anzumerken, dass die Asega (=Richter) vornehmlich aus dem Geburtsadel heraus gewählt worden sind, andere hätten sich kaum durchsetzen können.

Gudrun Schwichow schreibt: J. Formsma (S.11) berichtet, dass im Jahre 1398 Aylcko Verhildema (Onsta) und Reyner Eysinga den Hunsingo (vergl. Tabelle I), Omeke Snelghersoen und Haye Wibben den Fivelgo und Tammo Gockinga und Menno Houwerda das Oldambt an den Grafen Albrecht von Holland zu Lehen gaben und sich somit unter dessen Schutz stellten. Auf diese Weise gelangte auch unser Johann Sissinga, genannt Nikolaus Störtebeker, im Jahre 1400 zu seinem Schutzbrief.

Ergänzung:

  • Johann und Klaus Störtebeker müssen nicht unbedingt ein- und dieselbe Person sein.
  • Der Name ‚Eysinga’ ist eine Abwandlung (andere Schreibweise, denn dazumal gab es keinerlei Rechtschreibung, man schrieb die Worte so, wie man sie aussprach und auch das war recht unterschiedlich) von ‚Asinga’.
  • Die oben genannten Lehnsmänner müssen freie (d.h. reichsunmittelbare) Grundherren gewesen sein, um ihren Grundbesitz, ihre Alloden, dem Grafen von Holland als Lehen überstellen zu können. Voraussetzung, um Lehnsmann werden zu können, ist es, reichsunmittelbaren Besitz zu haben und ritterlicher Herkunft zu sein. Allein die Tatsache, dass der Grundbesitz aus den Gauen Fivelgo, Oldampt, Hunsingo bestanden hat, zeigt auf, dass diese Familien einst als Richter mit diesen Gauen beliehen worden sein müssen (das Amt ließ sich später in etwa gleichsetzen mit „Grafen“= oberste Richter).  Die Beleihung erfolgte ursprünglich durch die Frankenkönige bzw. –Kaiser (s. de Grondslag van de Friese Vrijheid“ M.P. van Buijtenen (Academisch Proefschrift).
  • Den blutigen Freiheitskriegen, die von den Friesen gegen Utrecht und Holland geführt wurden, lag das Motiv zugrunde, Reichsunmittelbarkeit zu bewahren. (Friesland ist an Grafen als Lehen vergeben worden, die sog. Vögte einsetzten. Das ist ein kompliziertes Kapitel, worauf ich hier nicht eingehen möchte, da dies den Rahmen sprengen würde. Ob und wann Reichsunmittelbarkeit bestanden hat, ist vielfach untersucht und kommentiert worden.) Dieses Privileg (so es denn bestanden hat) ließ sich nur unter großen Opfern aufrechterhalten. – 1406 ersuchten Oster- und Westergo den Kaiser Ruprecht um Bestätigung ihrer Privilegien hinsichtlich der Friesischen Freiheit. Im Sept. 1417 bestätigte Sigismund zu Konstanz die alten Privilegien der Friesen, wodurch ihnen die Freiheit und Reichsunmittelbarkeit garantiert (Häuptling Ocko II. hat diese Urkunde nicht mit unterzeichnet, da er um den Grafentitel nachgesucht hatte.) Der Kaiser hatte die Vorlage einer Urkunde verlangt, aus der die Reichsunmittelbarkeit hervorging. Da es im 9. Jahrhundert lediglich mündliche Formen in Anwesenheit von Zeugen gab, war offenbar keine Urkunde vorhanden. Ergo wurde eine Urkunde angefertigt (gefälscht). (Durch die Übergabe von Eigentumssymbolen (z. B. Siegel) wurden Besitzänderungen dokumentiert. Ausfertigung von Übertragungsurkunden oder Eintragungen in gerichtlichen Büchern, wie im späten Mittelalter, kannte man nicht zu Kaiser Karls Zeiten. Als einziger rechtsgültiger Beweis galt die Aussage der Zeugen bzw. die vorzuweisenden Eigentumssymbole.)
  • Die Ausstellung eines Kaperbriefes von Herzog Albrecht für Johann Störtebeker ist sicher nicht mit der Übertragung eines Lehens Hand in Hand gegangen, zumal der Name ’Sissinga’ nicht genannt wird, sondern von Johann Störtebeker die Rede ist (der Sohn von Störtebeker?). Im Oldampt waren Tammo Gockinga und Menno Houwerda führend, denn sie haben das Oldampt 1398 dem Grafen Albrecht als Lehen angetragen.

Gudrun Schwichow schreibt: Da nachzuvollziehen ist, dass die Asinga aus dem Hunsingo sich nachweisbar oftmals mit den Houwerdas aus Termunten (Klein-Oldambt) familiär verbanden (der Name Ailko tritt viele Male in beiden Familien auf), kann davon ausgegangen werden, dass Klaus Störtebekers Vater und somit auch er vom Ursprung ein Slawe, ein „Asinga“, war und somit auch mit dem Greif siegelte (vergl. Tabelle I, II).

Anmerkung:

  • Der Rückschluss auf einen slawischen Ursprung der friesischen Geschlechter aufgrund des Greifens ist äußerst problematisch.
  • Darauf fußend, dass das Geschlecht Sissingh noch im 18. Jh. genannt wird, lässt dies bedingt die Annahme zu, dass aus dem Namen ‚Eysinga’ der Name ’Sissinga’ geworden war.
  • Somit könnte der Rückschluss, dass Störtebekers mutmaßlicher Vater ‚Sissinga’ aus Termunten mit dem Greifen siegelte, evtl. zutreffen, wenn Störtebeker nicht aus Wismar, sondern aus Termunten stammte. Ob aber o.a. Vermutung zutrifft und die ‚Sissinga’ überhaupt ein Siegel führen durften, bzw. ob dieser Familie das Richteramt zustand, ist fraglich und muss noch ermittelt werden. Überdies ist es zweifelhaft ob Störtebekers Wurzeln im holl. Termunten liegen.

Zur Erinnerung:

1370 Friede von Stralsund: Wahl des dänischen Königs nur mit Zustimmung der Hanse

1389-1395 Belagerung von Stockholm durch die Hanse – Versorgung von Stockholm durch die Vitalienbrüder

1392 Vitalienbrüder plündern Wisby

1395 erscheinen Störtebeker u. Gödeke Michel mit ihren Raubschiffen in der Nordsee

  • Edo Wiemken nimmt sie auf in seinem Hafen von Schaar (heute Wilhelmshaven-Stadtteil Schaar)

1396 räumt Widzelt, Bastardsohn von Ocko tom Brok I., den Likedeelern Hafen und Turm des Doms St. Marien in Marienhafe als Stützpunkt ein

1397 Union von Kalmar: Vereinigung der Reichsräte von Dänemark, Norwegen und Schweden

1398 Widzelt und Folkmar Allena werden Lehnsmannen des Herzogs Albrecht von Bayern, Graf von Holland.

1398 Vertreibung der Vitalienbrüder von Gotland durch Hochmeister Konrad von Jungingen

1399 Schlacht bei Detern, Widzelt tom Brok kommt in den Flammen der Kirche um.

1399 Keno II. tom Brok Nachfolger von Widzelt

2.2.1400: Keno tom Brok kommt dem Verlangen der Hansa, die Seeräuber auszuweisen, nach. Als die Ratssendboten auf dem Hansetag zu Lübeck am 2.2.1400 über Maßregeln beraten, die man gegen die Seeräuber und ihren Beschützer Keno ergreifen will, erscheint Almer, der Kaplan Kenos, und erklärt im Namen seines Herrn, dass dieser bereit sei, die Vitalienbrüder zu entlassen, falls man ihm verzeihe.

Mitte März 1400 sah man in der Tat in den Brook’schen Landen keinen Seeräuber mehr.

Aufnahme finden die Vertriebenen bei Hisko Abdena von Emden, dem Nebenbuhler Kenos, um durch sie seine Macht zu stärken. Dadurch gerät Keno in arge Klemme. Aus Furcht vor der Hanse, hatte er seinen Gegner gestärkt, der jeden Tag in das benachbarte Brokmerland einbrechen konnte. Kein Wunder, dass man bald den Hamburgern meldet, Keno sei entschlossen, erneut die Seeräuber zu sich zu nehmen, um an seiner Macht keine Einbuße zu erleiden. (Im April vermutlich)

Jetzt rüsten Hamburg und Lübeck schleunigst Schiffe aus, damit man dem Unwesen vorbeuge. Jedoch hat Keno bereits Likedeeler an sich gezogen, als die hansischen Schiffe in ostfrs. Gewässern erscheinen.

Am 5.5.1400 kommt es zum Kampf mit den Likedeelern in der Osterems; 80 von ihnen werden getötet, während die übrigen fliehen können.

Von den Flüchtigen nimmt Haro Edzardsna von Greetsiel (der Sohn von Edzard Circsenas und Doda geb. tom Brook) 18 gefangen und überliefert sie den Städten, denen außerdem noch 7 Piraten in die Hände fallen.

Am 6.5.1400 landen die Schiffe der Hansa in Emden. Sie mussten vermutlich die einsetzende Flut abwarten, um nach Emden gelangen zu können. Dort werden die Hansischen von Propst Hisko freundlichst empfangen. Er stellt ihnen Schloss und Stadt zur Verfügung und erklärt sich bereit, jegliche Hilfe zu leisten. Dadurch gewinnt er die Hansen für sich, so dass sie hier alle Dinge in Ordnung vorzufinden glauben. Hisko hatte aber Likedeeler aufgenommen, die vermutlich rechtzeitig entkommen konnten.

Gudrun Schwichow schreibt: „Störtebeker kam vor oder nach dem Friedensschluss zwischen Königin Margarete von Dänemark und Johann VII. (d.J.) von Stargard im Jahre 1395 mit Gödeke Michael in den Raum Verden/Aller und Nienburg/Weser, heiratete eine Frau aus dem Klencke-Geschlecht (vergl. Tabelle II, Leitfigur ist der „Greif“) von Drakenburg (Anm.: ab 1302 zur Grafschaft Hoya gehörig) und erwarb die Burg Halsmühlen…. Klaus Störtebeker und Gödeke Michael hätten sich, nachdem sie auch im Nienburger und Verdener Raum nicht mehr sicher waren, neue Domizile bei verwandten Geschlechtern in Ostfriesland gesucht, wo Störtebeker in Upgant seine zweite Frau Theda Widena (D. Zimmerling), überliefert zwei Jahre vor seinem Tode) geheiratet haben könnte (vergl. Untersuchung in OMA 8/91 ).“

„So hat Störtebeker sich wahrscheinlich in der Schlacht am 5. Mai 1400 auf einem der vier Schiffe befunden, die der Hanse entwischten und wäre von der Osterems aus über die Gant nach Upgant/Marienhafe entkommen. Von dort wäre er, nachdem er die Schiffe mit Hilfe Folkmar Allenas von Osterhusen/ Groothusen verbrannte auf dem Landweg zu Enno Circsena von Larrelt gelangt, der Schwester Folkmars.“

Ergänzung:

  • Der Greif ist legendenbiologisch verwandt mit dem Drachen und manchmal schwer von diesem zu unterscheiden. Die Besitzer der Drakenburg (Drachenburg) werden mit Sicherheit heraldisch den Drachen geführt haben und nicht den Greifen.
  • Enno Circsena nennt sich auch Edzardsna, Enno von Greetsiel, Haytetsna, Beninga; er war verheiratet in zweiter Ehe mit Sibba Allena, der Tochter Folkmar Allenas (nicht der Schwester) was hier aber unerheblich ist.
  • Das Wort der Wikinger für Straße ist ‚gate’ (noch heute in England in dieser Bedeutung benutzt), davon leitet sich das Wort Gatt = Wasserstraße ab und ebenso das Wort Gant.

Gudrun Schwichow weiter: „Dort hätte er ein Schiff übernommen, das dieser zuvor einem Groninger weggekapert hatte, und sich ins Groningerland abgesetzt und sich, gem. Urkunde, am 15. August 1400 unter den Schutz des Grafen Albrecht von Bayern/ Holland gestellt, um im Groningerland den Winter zu verbringen.“

Kommentar: Bis zum 15. August 1400 ist allerhand geschehen. Hier ein kurzer Abriss:

  • Widzelt war, ebenso wie Folkmar Allena und die Heemstras, Camminghas, Wiardas in Wester- und Ostergo, die Gockingas, Houwerdas, Onstas, Verhildenas, Eysingas, Snelgeersoons und Wibbens in Friesland seit 1398 Lehnsmann des Herzogs Albrecht von Bayern, Graf von Holland. Sie standen also unter dem Schutz des Grafen Albrecht von Holland.
  • Widzelt, Kenos Halbbruder, war am 25.4.1399 bei einem Brand in der Kirche zu Detern umgekommen. Mit Widzelts Tod war der Lehnvertrag (es handelte sich gewiss um ein Erblehen) zwischen Widzelt und dem Herzog aufgehoben. Keno hatte mit Albrecht von Holland einen neuen Lehnvertrag abgeschlossen, stand also bis dahin auch unter seinem Schutz. Hätte er das nicht getan, wäre er seines Lehens verlustig geworden und der Graf hätte einen anderen Lehnmann eingesetzt. (Ritter Ocko I. hatte alle seine Güter dem Grafen übertragen! Die tom Brok hatten somit gar keine andere Wahl, als den Lehnvertrag zu erneuern.)
  • Auf dem Hansetag in Nykjöbing, der im 1399 abgehalten wurde, beschloss man, an die Heger der Vitalienbrüder, also auch an Keno, Briefe mit der Aufforderung zu schreiben, die Seeräuber nicht mehr in ihren Landen zu dulden.
  • Am 2.1400 kam Keno tom Brok dem Verlangen der Hansa nach, die Seeräuber auszuweisen.
  • Mitte März 1400 sah man in Brook’schen Landen keinen Seeräuber mehr.
  • Am 5. Mai 1400 griffen elf Koggen mit 950 Mann Besatzung die Likedeeler in der Osterems an.
  • Einige Piratenschiffe waren in der Osterems auf Sandbänken aufgelaufen, demnach war vermutlich ablaufend Wasser. Vermutlich geschah das absichtlich, denn die Piraten kannten das Gebiet und wussten, wo Untiefen drohten und Ihre Schiffe hatten weniger Tiefgang als die hansischen Schiffe. Man spekulierte offenbar darauf, dass bei auflaufend Wasser die Piratenschiffe rascher aufschwimmen und davonsegeln konnten, während die hansischen Freedekoggen mehr Tiefgang hatten und somit später freikommen würden. Die Überraschung waren die Armbrustschützen der Hansen. Ein Drittel der hansischen Besatzung bestand aus Armbrustschützen. Dadurch waren die Hansen den Likedeelern, die auf Nahkampf spezialisiert waren, überlegen.
  • Nur vier Schiffe gelangten nach Marienhafe.
  • Am 5.5.1400 kommt es zum Kampf mit den Likedeelern in der Osterems; 80 von ihnen werden getötet, während die übrigen fliehen können.
  • Von den Flüchtigen nimmt Haro Edzardsna von Greetsiel (der Sohn von Edzard Circsenas und Doda geb. tom Brook) 18 gefangen und überliefert sie den Städten, denen außerdem noch 7 Piraten in die Hände fallen.
  • Marienhafe/Upgant gehörte Keno II., der gerade wieder Likedeeler an sich gezogen hatte. Keno II. war im Angesicht der hansischen Bedrohung sicher nicht daran gelegen, die flüchtenden Likedeeler zu beherbergen. Es war also opportun, Spuren zu verwischen. Überdies sollten die Schiffe nicht in die Hände der Hansa fallen.
  • Wenn die Schiffe in Upgant mit Hilfe Folkmar Allenas verbrannt wurden, so hat dieser sich vermutlich auch auf einem der Schiffe befunden. Da auch Folkmar Allena Likedeeler aufgenommen hatte, konnte er sich ausrechnen, dass auch er auf der Abschussliste der Hansa stand, denn die Hansa bedrohte jeden friesischen Häuptling, der es wagen sollte, Likedeeler aufzunehmen, mit dem Tode. Die Hansen hatten den Häuptlingen empfohlen, die Raubgesellen aus dem Land zu jagen, Häfen und Burgen zu verschließen, die Anführer zu ergreifen und vom Leben zum Tode zu verholen. Bei Zuwiderhandlung drohten die Hansestädte, ‚mit Gottes Beistand‘ gegen die Missetäter und ihre Heger zu ziehen und allem ein endgültig Ende zu setzen. Das war der Stand der Dinge.
  • Einen Tag später erst, am 5.1400, landeten die Hanseschiffe im Emden!
  • Im Osten grenzt Loppersum an das ‚Große Meer‘. Von dort aus (Folkmar Allenas Besitz) konnte Störtebeker nicht mit einem großen Schiff fliehen, denn das Tief verband Loppersum mit Emden, die Hansen konnten die Zufahrt nach Emden sperren; Osterhusen war durch die Nahe mit der Ems verbunden und ebenfalls leicht zu kontrollieren durch die Hansa! –
  • Wenn Störtebeker zu Enno Circsena nach Larrelt geflohen ist, dann führte seine Flucht sicher von dort aus weiter nach Loquard. Die Ems floss hart an Larrelt vorbei, die aber vermutlich Niedrigwasser führte. Hätte Störtebeker von Larrelt aus über die Ems fliehen wollen, so wäre dies vermutlich an der Ems-Überwachung der Hansa gescheitert. Die Hansen werden ebenfalls die großen Einfahrten (Buchten) gesperrt haben, so auch die Bucht von Sielmönken. Das Larrelter Siel aber mündete mit dem Loquarder Maar ins Twixlumer Tief (Maare gibt es von Rysum bis Groothusen und Woquard. Sie laufen bei den Camper Tillen und Doodshörn trichterförmig zusammen und haben von hier aus einen Abfluss durch das sog. Reittief bzw. die „Alte Ehe“ zum Larrelter Siel gehabt.) Diese Wasserverbindungen kommen als Fluchtweg für Störtebeker infrage (zu berücksichtigen sind die damalige Ausdehnung des Dollart, sowie Tiede- und Windabhängigkeit).
  • Larrelt (nahe Emden) fiel rasch in hansische Hände. – Enno Haytadissone (So. von Edzard Circsena u. Doda tom Brok = Enno Beninga/Circsena) musste der Hansa seine Burg Larrelt übereignen,
  • ebenso Faldern (in unmittelbarer Nähe von Emden) fiel rasch in hansische Hände. Haro von Groß-Faldern (Ehemann von Elbrig tom Brok) musste die Burg Faldern der Hanse ausliefern. Larrelt und Faldern wurden dem Propst Hisko anvertraut!
  • aber erst am 6.1400 gelang es den Hamburgern, das entlegenere Loquard zu erobern und die Burg zu zerstören. Da war Gödeke Michels mit 200 Mann längst weg! Hier bestand also die Möglichkeit, durch das Loquarder Tief zu entkommen! Und zwar mit Schiffen, die weniger als 4 Fuß Tiefgang hatten, sog. Loogschiffen. Maare waren nur 15 Fuß breit und 4 Fuß tief. Bei Niedrigwasser natürlich weniger. Von Loquard aus gab es nur eine Maar zum Twixlumer Tief![1] Von dort aus konnte man ein größeres Schiff benutzen. Loquard wurde am 14.6.1400 von den Hamburgern (Hanse) zerstört, weil Häuptling Sibrand (Sibrand von Loquard verh. mit Tetta *ca. 1382 +1426 der To. von Foelke und Ocko tom Brok) dem Gödecke Michels mit 200 Männern die Flucht nach Norwegen ermöglichte! Vermutlich ist Störtebeker mit ihnen zusammen geflohen…
  • Man kann deutlich den Eroberungsweg der Hansen nachvollziehen, vermutlich an der Deichlinie entlang, denn dort gab es gut ausgebaute Straßen (zwei Wagen konnten aneinander vorbeifahren).

Gudrun Schwichow: „Nur einer wird namhaft gemacht, der im richtigen Augenblick seinen Kopf aus der Schlinge ziehen konnte. Im Absatz 36 (OUB II. 1726) heißt es: “ . . unde Godeke Wessels noch uppe deme slote (Loquard) was, do wy to Emede kemen unde den steden dar van entverdyghed ward“ (Vergl. auch Hansische Volkshefte, Die Hanse und die Friesen, Nr. 13, S. 45).

Aber das ist nicht das einzige Mal, dass Gödeke unter diesem Namen genannt wird. Dieter Zimmerlein* schreibt (S. 279), dass am 13. März 1401 in Lübeck tagende Abgesandte an die preußischen Städte schreiben, dass man darauf bestehen müsste, Friedensschiffe in die Ostsee zu schicken „wente wy warliken berichtet sint, dat Godeke Wessels mit synen Kumpanen in der zee sind, und lichte in den Orsund zoken werden“. Ohne Zweifel handelt es sich also beide Male um den Anführer der Vitalienbrüder, Gödeke Michael, der zusammen mit Wigbold und 200 Mann von Loquard aus nach Norwegen gesegelt sein muss. Dieser Wigbold, der auch 1401 mit Gödeke Michael im Bereich der Wesermündung gefangengenommen wurde, ist in der Rufus-Chronik als „Magister der Sieben Künste“ überliefert und soll in Rostock und bei dem Philosophen John Wiclif in Oxford studiert haben…

 Anmerkung: *gemeint ist Dieter Zimmerling

  • nach einem Hanseurteil vom Mai 1400 wurden die Piraten in Emden hingerichtet (darunter auch Kurt (Cord), der Basstardsohn des Grafen von Oldenburg).
  • Am 5.1400 erschienen endlich Keno II. und Folkmar Allena in Emden. Im dortigen Kloster Faldern fanden die Unterredungen zwischen ihnen und den Städtern statt. Keno II. wurde vorgeworfen, sein Versprechen nicht gehalten und den Handelsleuten großen Schaden zugefügt zu haben. Keno bestritt zwar die Anschuldigungen, aber die Städte verlangten, dass er sein Schloss zu Aurich und Folkmar Allena seine Burg zu Osterhusen hergeben solle. Diese Forderung gestanden die Häuptlinge nicht sofort zu, sondern nahmen sich bis zum 15.5.1400 Bedenkzeit.
  • Am selben 5.1400 wurden ferner die ersten Versuche gemacht, einen Frieden zwischen Hisko und seiner Partei auf der einen und Keno und Folkmar Allena auf der anderen Seite zu vermitteln. Klar erkannte die Hanse, dass man dem Räuberwesen hier nur dann den Boden entziehen konnte, wenn die frs. Häuptlinge untereinander Ruhe hielten. – Unter hansischen Druck waren die Parteien zum Frieden geneigt.
  • Wieder wurde die Übergabe Aurichs und Osterhusens verlangt. Keno und Folkmar Allena baten erneut um Frist, die Sache in Erwägung zu ziehen.
  • Am 5.1400 lehnten sie ab! Wieder Verhandlungen – eine volle Woche. Das Resultat: ein Schiedsgericht von 4 Mann, die das alte frs. Recht wohl verständen. Die streitigen Punkte sollten am 25. Juli 1400 entschieden werden. Wenn dann die Schiedsrichter noch nicht alles ins Reine gebracht hätten, würden sie später den Rat der Stadt Groningen hinzuziehen.
  • Zur Sicherheit mussten Keno die Burg zu Wittmund und Folkmar Allena die Burg Groothusen den Städten übergeben. Keno und Folkmar Allenas Brudersohn Ayelt gingen als Geiseln nach Bremen, während Hiskos Sohn Ihmel und Gerald Vyardissone (Sohn von Heiko von Faldern und Adda Wiardsna[2]) sich in gleicher Eigenschaft den Groningern zur Verfügung stellen sollten. Keno II. ungefähr ab 15.5.1400 Geisel der Hamburger)
  • Ein weiterer Verhandlungsgegenstand war das Anstreben einer Sühne zwischen Groningen und Keno. Keno und Folkmar Allena waren durch ihren Anschluss an Herzog Albrecht, dem sie zur Unterwerfung der Stadt behilflich sein wollten, mit Groningen in Unfrieden geraten. Auch hier sollten Schiedsrichter die Sache entscheiden.
  • – 26. Mai 1400 Gerichtssitzung der Hamburger und Lübecker Schiffshauptleute im Franziskaner-Kloster Faldern
  • Nachdem Keno die Likedeeler entlassen hatte, nahm Herzog Albrecht von Bayern sie auf. Während Widzelt sich noch beim Herzog von Bayern hatte entschuldigen müssen, weil er Piraten aufgenommen hatte, stellte nun Albrecht von Bayern höchstselbst Kaperbriefe für Likedeeler aus. Durch die Aktion der Hansa war dem Herzog die Streitmacht Kenos weggebrochen. Er stand aber nach wie vor in Auseinandersetzungen mit der Stadt Groningen. Um seine Streitkräfte rasch aufzufüllen, boten sich die entlassenen Piraten als ideale Lösung an.
  • Am 15. August 1400 erlässt Albrecht von Holland den Schutzbrief für Johann Stortebeker! (vermutlich, Störtebekers Sohn?)
  • Das beste Mittel für Keno, sich aus Geiselhaft zu befreien, war es, die Fürsprache eines mächtigen Herrn zu erwerben. Er konnte sich aber nicht an Herzog Albrecht von Bayern wenden, weil dieser nun der Hauptheger der Vitalienbrüder war und dadurch mit den Hanseaten sehr schlecht stand. So schloss sich Keno dem Herzog Wilhelm von Geldern an (Schwiegersohn von Herzog Albrecht).
  • September 1400 stellt Keno die Lehnurkunde aus. Der Herzog Wilhelm von Geldern verpflichtet sich, wenn Keno Eroberungen an der Ostseite der Ems machen würde, insbesondere, wenn ihm Emden in die Hände fiele, so wolle er dort Keno oder einen seiner Anhänger als Amtmann einsetzen.
  • Anfang 1401 machte Hisko Abdena Rüstungen.
  • Im Febr. 1401 schrieben Hisko Abdena und Folkmar Allena dem Rate der Stadt Bremen, dass die Mannschaften, die sich in ihrem Gebiete zu Faldern versammelten, nicht die Kaufleute beschädigen sollten, sondern dass man sich gegen die Holland und den Bischof von Utrecht wenden wollte.
  • Keno tom Brook fühlte sich nun veranlasst, sich ebenfalls kriegsbereit zu machen. Er ging wohl davon aus, dass Hisko und seine Bundesgenossen Haiko von Faldern und Folkmar Allena ihn angreifen würden, wenn sie sich stark genug fühlten.
  • Auch Keno suchte sein Verhalten dem Bremer Rat gegenüber zu rechtfertigen. In gleicher Weise verantwortete sich auch Enno Haytadisna (Circsena) von Norden – Kenos Bundesgenosse.
  • Keno setzte seinen Feinden hart zu, Folkmars Schloss zu Osterhusen und die Burg zu Faldern wurden von ihm erobert und zerstört. Nach Larrelt, das Keno ebenfalls eroberte, kehrte Enno Haytadisna (Sohn von Haitet Beninga) zurück.
  • Den ersten Nutzen brachte das Bündnis mit dem Herzog von Geldern dem Keno auf der Hansaversammlung zu Stade, dort erschienen 2 Abgesandte des Herzogs, die Herren van Gheme und Johann van der Capellen, um einen Vertrag zwischen Keno und den Städten zu vereinbaren. Er kam zustande: Keno und Ayelt Allena wurden vorläufig freigelassen.
  • Am 25.5.1401 gelang es dem Herzog von Geldern, durch einen Schiedsspruch ein Übereinkommen zwischen der Hansa und Keno herbeizuführen, die wegen des erlittenen Schadens Ersatz verlangten.
  • 1401 Hamburger haben Störtebeker bei Helgoland gefangen (oder im Okt. 1400)
  • Er und seine Gesellen werden auf dem Grasbrook in Hamburg enthauptet

Gudrun Schwichow: „ Störtebeker …… heiratete eine Frau aus dem Klencke-Geschlecht von Drakenburg…….. An Siegel oder Wappen mit diesem slawischen/wendischen (groningischen) Greif sind auch Störtebekers Nachkommen zu belegen. Zum einen der Sohn Gherd, genannt Klinghe, der aus Störtebekers Ehe mit einer unbekannten Frau aus dem Klencke-Geschlecht von der Drakenburg (1446 waren die Klencke urkundlich in Besitz der Burg) an der Weser (heute Samtgemeinde Heemsen) stammen….

Gisla von Klencke (Schwester von Störtebekers Frau?) war 1395 Priorin im Kloster Bassum (Hoy. Urkb.II, Nr.62), und Gerhard von Klencke wird 1374 erwähnt, als er um die Ablösung einer Pfandsumme eines Hofes bittet (vergl. Hoya, Urkb. I Nr. 138). Letzterer ist möglicherweise der Vater von Klaus Störtebekers Ehefrau…“ 

Anmerkung:

  • Anmerkungen zum angeblichen Greifen als Wappentier der Klenckes siehe oben.
  • Da Störtebekers Sohn als Gherd bezeichnet wird, könnte diese Namensgebung Frau Schwichows Theorie untermauern. Es war üblich, Kinder nach den Großeltern zu benennen.
  • Allerdings hätte Störtebekers Frau, wenn Störtebeker denn ein Sissingha gewesen wäre, Sissingha geheißen, es sei denn, Störtebeker hätte den Namen seiner Frau angenommen. Diese Namensänderung von angeheirateten Männern war durchaus üblich, wenn keine männlichen Erben vorhanden waren, d. h. die Ehefrau eine Erbtochter war.
  • Eine Heirat von Störtebeker mit einer Klencke-Tochter (Anm. Klencke, d.h. Klinghe) ist umso wahrscheinlicher, wenn Störtebeker tatsächlich das Gießer-Handwerk erlernt haben sollte (s. Zünfte) und in seinen Wanderjahren als Geselle zu der Klencke-Familie gestoßen ist. Auch das legendär überlieferte Versprechen Störtebekers, eine neue Glocke (sie war 1386 beim Brand von St. Marien geborsten) und bronzene Tore für die Kirchhofmauer stiften zu wollen, lässt auf eine Verbindung zur Klencke-Familie schließen. (Die bronzenen Tore waren noch vor der Verkleinerung des Doms vorhanden und sind auf einer Zeichnung aus dem 18. Jh. zu sehen. Ob Störtebeker noch ein Glocke hat stiften können und jene Glocke aus dem 15. Jahrhundert, die einen besonders schönen Ton gehabt haben soll, noch von Störtebeker (postum) gestiftet worden ist, kann nicht belegt werden. Es war eine Glocke, die durch ihre Größe und ihren Klang weithin berühmt war. 1594 war die leider schon gesprungen.)
  • Sollte unser Klaus Störtebeker Handwerker gewesen sein, so schließt das eine adelige Herkunft praktisch aus.
  • noch einmal: Greif und Drache sind schwer zu unterscheiden. Das Wappen der Klencke wird ein Drache gewesen sein, da die Burg den Namen ‚Drakenburg’ trägt.
  • Der Name Störtebeker ist im Übrigen gar nicht so selten. Es könnte sich demnach um eine ‚Berufsausübung’ handeln. Es wäre zu untersuchen, ob es im Gießerhandwerk eine Tätigkeit gab, die diese Bezeichnung trug (vielleicht Zinnbecher oder Glocken aus der Form stürzen?).

Gudrun Schwichow schreibt: …Der Sohn Klaus Störtebekers mit seiner ostfriesischen Frau Theda aus Upgant bei Marienhafe (zweite Ehe) soll sich laut sagenhafter Überlieferung „in der Nähe“ niedergelassen haben…. …Noch glaubwürdiger wird die Heirat von Störtebekers Sohn nach Nesse, da zwischen diesem Ort und der Familie Houwerda aus Termunten auch später verwandtschaftliche Beziehungen bestanden…: Ailko Houwerda (Gest. 13. Mai 1512), Häuptling von Uphusen und Wolthusen (heute Emden), Sohn des Snelger von Termunten/Appingedam, heiratete Sophia von Nesse/Attenaburg, die wiederum in zweiter Ehe Viktor von Frese (…gest. 1527) ehelichte…

Gudrun Schwichow weiter: …Das Wappen des Hinric Klinghe (Anm.: mutmassl. Enkel von Störtebeker) wurde in der Kreuzkirche Pilsum angebracht. Er fertigte im Jahre 1469 ein noch vorhandenes Taufbecken für die Pilsumer Kreuzkirche an und hat es gestiftet… …Da Hinric nach seiner Heirat mit der Erbtochter von Uiterstewehr um 1460 (Tochter der Ocka Cirksena, deren Mutter Gela von Manslagt die zweite Ehefrau des Enno Edzardsna Circsena war), in eine ostfriesische Häuptlingsfamilie einheiratete (um 1460, zu dieser Zeit gießt er eine Glocke in Pilsum), sind seine Stiftung und sein Wappen (Allianzwappen seiner Eltern) nach dem Abschluß einer gründlichen Renovierung (Malereien) des nördlicher Querhauses der Kirche im Jahre 1470 begreifbar…

Anmerkung: Hier liegt eine Unstimmigkeit hinsichtlich der Genealogie vor:

Gela von Manslagt und Groothusen war eine Tochter von Haitet Beninga von Groothusen und Tjade Erbtochter von Manslagt

Gela heiratete:

  1. Haro Allena von Larrelt und Hinte (+1417);
  2. Ihmel Allena (+n. 1426), woraus die Söhne Ihmel und Occo hervorgehen und
  3. Enno Edzardsna +1450, (Sohn von Doda tom Brok und Edzard Circsena). Das Paar hatte die Söhne Ulrich I und Edzard- Der Sohn Edzard starb kinderlos 1441 an der Pest. – Der Sohn Ulrich I. ab 1454 Reichsgraf (Edzards Bruder) heiratete die Erbtochter Folka von Esens und in II. Ehe Theda von Rheide *1431 (Enkeltochter von Focko Ukena) – Ulrichs Zwillingsschwester Adda heiratete Lütet III.
  • Ob ‚Ocka Circsena’ tatsächlich von Enno Edzardsna abstammte, ist leider etwas unsicher, möglich ist auch die Abstammung von Haro Allena.
  • Lt. Genealogie von Dr. van Lengen hatte diese Ocka Circsena folgende Kinder: die Söhne Imel und Haro sowie die Töchter Gela, Folka, Tjadeke, Hima und Metta (?).
  • Ueterstewehr geht an den Sohn Haro. Von einer Erbtochter von Ueterstewehr ist nichts bekannt. Auch taucht der Name Hinric Klinghe nicht auf.
  • Da wir mittlerweile bei dem Urenkel des Störtebeker sind, ist darüber nachzudenken, ob evtl. der vielzitierte Greif als Wappentier aus einer angeheirateten, weiblichen Linie stammen könnte, da dies Sitte und Brauch war, vor allem dann, wenn eine Erbtochter geheiratet wurde. Bei einer Circsena’schen Abstammung der Frau z. B. würde man den Adler im Wappen aufnehmen, der heraldisch höher steht. (Nicht zu verwechseln mit dem Emder Wappen: das ‚Engelke up de Muer’ wurde 1495 verliehen durch König Maximilian – Gutachten darüber s. Dr. Sello Emder Jahrbuch 1902.)

Gudrun Schwichow weiter: Die Stiftung wird noch glaubwürdiger, da Gräfin Theda Circsena (eine geborene Ukena verh. mit Ulrich Circsena und Schwägerin der oben genannten Ocka Cirksena) zu dieser Zeit weltliche Patronin der Pilsumer Kirche war (ein Rest des Ukena-Wappens wurde auch freigelegt) und verwandtschaftlich eng mit der Geschlechtern auf den Burgen Middelstewehr und Uiterstewehr verbunden war. Die Genealogie der Besitzer von Uiterstewehr spiegelt das oben dargestellte Beziehungsgeflecht der ostfriesischen Geschlechter zu denen, die aus den Räumen Lüneburg/ Hoya /Westfalen/ Bremen/ Groningerland stammen, wider…

Anmerkung: Hier wäre es hilfreich, die Genealogie tatsächlich darzustellen

Gudrun Schwichow weiter: Glücklicherweise ist das Wappen von Uiterstewehr, das die Nachkommen des Hinrik trugen, bei A. Pathuis überliefert (Lit. s. o., S. 930): Es zeigt – und diese Farben wurden bei der Freilegung des Wappens in der Pilsumer Kirche von den Restauratoren bestätigt – einen silbernen Greif in Rot (Störtebekers Wappen)… Isa Ramm, Aurich, (Ostfreeslandkalender 1992…: „Die Uiterstewehr hatten einen Greif im Wappen.“

….Auf jeden Fall war die Brücke nach Ostfriesland auch für die aus Rostock stammenden und in Upgant/Marienhafe nachzuweisenden „Zernemanns“ ……. oder die aus den Niederlanden kommenden und auch in Upgant ansässig gewesenen „Wiardas“ – immer die Bremer Kirche (so auch die Klinghe-Familie, vergl. Tabelle II und DGB Stamm Wiarda, S. 585 ff).

Anmerkung:

Die Abstammung der Wiarda lässt sich auf Wiard Abdena aus Emden zurückführen, der 1312 die Emder Burg anlegte und zu den Richtern des Upstalbooms gehörte (s. Fußnote). Hisko (Enkel von Wiard Abdena) war Schieringer und dadurch Feind der tom Brok. Hisko hatte Burg und Anhang bei den Schieringern (Zisterziensern) in Groningen. Hiskos Bruder Liuward (Luwert) war mit Djudelt Itzinga verheiratet (keine Kinder).

Gudrun Schwichow: …In der Stralsunder Pfarrkirche St. Nicolai… durften zu Störtebekers Zeit nur der Rat und die bürgerliche Oberschicht (Patrizier) dem Gottesdienst beiwohnen, was natürlich den Widerstand und Haß des Volkes heraufbeschwor. Insofern ist auch meine Deutung der Störtebekerkammer in der Marienhafener Kirche (Entfernen der Patronatsloge, vergl. OMA 9/91) absolut glaubhaft.

Anmerkung: Seit Errichtung des neuen Schlosses in Aurich waren die tom Brok nach Aurich übergesiedelt. Die Patronatsloge war also entbehrlich. Im Übrigen war das Privileg der Patronatsloge für die Stifterfamilien seit Jahrhunderten Usus. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Einrichtung Hass hervorrief.

Gudrun Schwichow: …Der Name Wigbold deutet auf das Groninger Altgeschlecht „von Ewsum“, dessen Ursprungsburg „Oort“ in Middelstum (Hunsingo) lag. … ….ist…davon auszugehen, dass Gödekes Begleiter ein von Ewsum war und dieser enge verwandtschaftliche Beziehungen nach Loquard gehabt hat, insbesondere da bei Formsma der Name Wigbold im Inhaltsverzeichnis unter Ewsum zwölfmal ( S. 563 ) und Wigboldina als Frauenname einmal genannt wird…

…So wandten sich am 12. Februar 1392 (Ostfr. Urkundb. I, Nr. 160 ) der weltliche Adel, die Volksvertretungen (Meenten), Prälaten, Äbte, Pröpste, Dekane, Priester und Kleriker im Prämonstratenserkloster Langen an die Obrigkeit, um Klage gegen den angeblich päpstlichen Legaten Wigbold von Groningen vom Minoritenorden zu erheben. Dieser hatte als Kollektor oder Bote des Kardinals Sammlungen und Pfändungen durchgeführt, die ihm vom Klerus einiger Teile Frieslands eingeräumt worden waren.

Es unterzeichneten: der Abt von Sielmönken (Benediktinerkloster), der Propst von Langen (Prämonstratenserkloster), der Kommandur von Abbingwehr (Johanniterkloster), der Dekan von Uttum und die Pröpste von Uttum, Groothusen und Emden (Abdena).

Anmerkung: Die Prämonstratenser wie auch Johanniter waren sog. Vetkoper. Die Vetkoper waren den Schieringern (Zisterzienser) feindlich gesinnt, u.a. um ihr altes Handelsgebiet zurückzugewinnen. Das beinhaltet auch die Feindschaft gegen die Hansa.

  • 1386 Ulbodus (Ulboldus) Capitales (Häuptling) vom Kloster Langen (Ul = Ol = der Alte)

Nachstehende Klöster waren Prämonstratenser-Klöster

  1. Kloster Langen: Doppelkloster 1255 zuerst erwähnt

eines der reichsten ostfrs. Klöster – Prämonstratenser

1290 üb. 160 Nonnen u. Mönche

1403 Klosterschule

  1. Kloster Langen : Doppelkloster (Krummhörn) Sturmfluten zwangen zur Aufgabe –   neues Kloster Anfg. 16.Jh. beim Vorwerk Woltzeter Hammrich
  1. Klostermüntje: Vorwerk des Klosters Langen zwischen Rorichum u. Terborg bei Middelsterborg – auch als Weddermönken bezeichnet.

1333 Langhaus m. steinernem Dach!

1334 Kapelle St. Nicolaus

1461 – Wiard von Oldersum vermacht der Kapelle 1000 Steine

  1. Logum, (dort, wo die ‚Wybelsumer Pladt‘ ist) gehörte zum Kloster Langen (Langhen)
  • 1386 Ulbodus (Ulboldus) Capitales (Häuptling) in Langhen (Ul =Ol = der Alte)
  • 1398 Campo Ukena Häuptling
  • Kirche dem. Hl. Nikolaus geweiht (Seefahrer-Schutzpatron) Kirche mit Fenster, in dem 5 Gestalten dargestellt sind:
  • der Pabst sagt: ich will meinen Tribut sofort (per sors)
  • der Kaiser sagt: ich will meinen Zins (perforsz)
  • der Priester sagt: ich will nicht geben
  • der Bettler sagt: ich kann nicht geben
  • der Bauer sagt: ich muss geben, weil alle davon leben

Uttum – 1250 erbaute Kirche – Wappen: silb. Lilie auf rotem Schild

  • 1255 Probstei, zu der die folg. Orte gehörten:
  • Eilsum, Jennelt, Visquardt, Pilsum, Grimersum, Wirdum, Circwehrum, Canhusen, Siegelsum.
  • Luward (Abdena) 1269 genannt
  • zu Uttum gehörten das Kloster Sielmönken (Benediktiner) u. Kloster Middelsum
  • 1426/7 Probst und Hptl. Luert (Luwert) Luiward Abdena Probst von Emden (Schieringer) (verh. mit Djudelt Itzinga) geht zus. mit Focko Ukena Bündnis mit Bischof von Münster gegen Keno tom Brook ein
  • 1441 Probst Unico Ripperda (aus dem Ukena-Geschlecht)

Gudrun Schwichow schreibt hierzu: Auffallend dabei ist, daß unter diesen seeräuberfreundlichen Unterzeichnern (zum Beispiel Hisko) die Franziskaner vom Kloster Faldern (heute Emden), in dem vom 12. bis 26. Mai 1400 die ostfriesischen Häuptlinge von der Hanse zur Rechenschaft gezogen und 18 Todesurteile gefällt wurden, fehlen. Insofern standen die Franziskaner – wie der Minorit Wigbold von Groningen – eindeutig auf der Seite der Hanse und des päpstlichen Klerus. 

Anmerkung: Hier wird ein Fehlschluss gezogen:

  1. Minoriten sind ordensverwandt mit den Franziskanern
  2. Der Franziskaner-Orden ist ordensverwandt mit Dominikanern und Augustinern also vetkoperisch.
  3. Die Franziskaner waren definitiv kontra Hansa und Schieringer eingestellt. Aus diesem Grunde auch keine Einbindung bei der Urteilsfindung!
  4. Enno Haytadissone (Enno Beninga) musste sein Schloss Larrelt, Haro von Groß-Faldern (Elbrig tom Brooks Ehemann) musste die Burg Faldern der Hanse überliefern. Beide Burgen wurden dem Probst Hisko (Schieringer) anvertraut!
  5. Hisko Abdena war nur zeitweise piratenfreundlich gesinnt. Zu jener Zeit ging es um seinen Kopf, weil er selber Piraten aufgenommen hatte, und er wechselte blitzschnell die Partei
  6. Die Hansa war eine reine Handelsorganisation. Der Minorit Wigbold von Groningen hatte nur insofern mit der Hansa zu tun, als Groningen auch zu den Hansestädten zählte.
  7. Auffallend, dass die Sammlung nur bei den reichen vetkoperischen Klöstern vorgenommen wurde. Vermutlich hatte diese Sammlung u.a. mit dem Schisma zu tun – Rom : Bonifaz IX. (1389 – 1404) Avignon: Clemens VII. (1378 – 1394)

Die Piraten-Spende

Gudrun Schwichow schreibt: …Außerdem sollen Klaus Störtebeker und Gödeke Michael zur gleichen Zeit eine Spende (Lätare-Spende, drei Wochen vor Ostern) von zwölf braunschweigischen Himten Roggen und einer Tonne Heringe für die Armen gestiftet haben, welche von den Angestellten des Domes verteilt werden sollten. Diese Spende läßt sich bis 1603 zurück nachweisen….

*Der Ursprung und Wahrheitsgehalt dieser Spende wird durch eine Aussage in der „Chronic des Dorfes Walle“ (Otto Vogt, 1981 ) noch glaubwürdiger, denn hier heißt es unter dem Kapitel „Kirchliche Pflichten“ ( S. 59 ): „Früher war jeder Hof in Walle verpflichtet, dem Superintendenten des Verdener Doms jährlich zwischen Martini (II. November) und Weihnachten einen Himten Roggen, ein Brot von 6 Groten, ein Stück Fleisch… zu geben…‘

….Klaus Störtebeker und Gödeke Michael müssen nach der geistigen Beeinflussung Ende des 14. Jahrhunderts (John Wiclif ), nicht nur als kirchliche Pflicht der Bewohner der Burgen Halsmühlen und Eissel die Domangestellten, sondern besonders die Armen der Gemeinde bedacht haben, was um 1400 außergewöhnlich war und möglicherweise dazu führte, daß gerade diese Spende (Stiftung) bei der Bevölkerung Verdens bis zum heutigen Tag überliefert ist…

Anmerkung: Laetare = „freut euch“ der Sonntag vor Rosenmontag – Unterbrechung der Buß- und Fastenzeit

*Die Hofbesitzer waren durchgehend zu diesen Abgaben verpflichtet. Diese Abgaben waren ein Teil des Zehnten oder sogar eine zusätzliche Steuer.

Die zitierte Abgabe von Walle hat zu der Piratenstiftung keinen Bezug. Die Stiftung der Piraten stand im Zusammenhang mit dem ‚allgegenwärtigen’ Kirchenablass, der bekanntermaßen u.a. zur Reformation beigetragen hat, weil damit Lug und Trug einhergingen. Derartige Stiftungen, um Ablass zu erlangen, gab es sehr oft! Diese Stiftungen sind üblicherweise aber immer auf einen bestimmten Zeitraum, abhängig von der zur Verfügung stehenden Summe, begrenzt gewesen.

Die vorstehende Einlassung von Frau Schwichow ist somit unhaltbar.

Gleichzeitig ist die ‚Spendenfreudigkeit’ der Likedeeler als Indiz eines tiefen Glaubens zu werten, der die Praxis des Ablasses unbedingt einschließt. Der Reformationsgedanke, der den Likedeelern zu eigen gewesen sein soll, muss folglich angezweifelt werden.

Fazit: Summa summarum ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, dass Störtebeker durchaus friesischer Herkunft gewesen sein kann. Es wäre schön, wenn die Ableitungen eine Erhärtung und Untermauerung erfahren würden. Bei intensiver Recherche werden sich vielleicht noch Zeugnisse auffinden lassen. Vermissen kann man in den Aufsätzen des Ostfriesland-Magazins einen fundierten genealogischen Aufbau.

Hinsichtlich Gödeke ist noch anzumerken, das weder der Name Michel(s) (Michael) noch der Name Wessel(s) selten ist, wie die Autoren selbst aussagen. Darum ist es problematisch, einen Namensvertreter als Ahnherrn zu benennen, der rd. 100 Jahre später verstorben ist, ohne aber eine dementsprechende Stammtafel anzubieten. Dadurch bleiben die Daten vage. Das Wort’ Wessel(s)’ geht auf das Wort „Westsachse“ (wie auch Wessex = West-Sachsen) zurück, davon gibt es eine erhebliche Anzahl von Namensträgern, zumal es sich ehedem um eine Zuordnung zum Stamm der Sachsen handelte.

Bei Magister Wigbold (Wigboldus = der junge Boldus) stellt sich die Problematik ähnlich, obgleich hier anhand von Kloster-Chroniken sicher noch einiges zu ermitteln ist. Zu untersuchen wäre, ob Magister (=Meister; dies Wort findet auch bei Kirchenherren Verwendung) Wigbold und jener angeblich päpstliche Legat Wigbold von Groningen, der 1392 Sammlungen und Pfändungen durchgeführt hat, nicht ein- und dieselbe Person gewesen ist, die nach diesem ‚Schelmenstreich’ auswandern musste. Ist dieser angeblich päpstliche Legat ein Betrüger gewesen, der die reichen Vetkoper aussäckeln wollte? Oder ein braver Kollektor, den man ungerechterweise mit Hunden vom Hof gejagt hat? Stammt er ab von Ulbodus (dem ‚Alten Bo(l)dus’), dem Häuptling von Langen bzw. aus dem Geschlecht von Ewsum?

Die aufgezeigten familiären Verbindungen zu Gießergeschlechtern deuten auf eine Zugehörigkeit von ‚Störtebeker’ wie auch von Gödeke Wessels (Michel) zur Kalandgilde der Gießer, wodurch auch die Stiftungen im Verein mit tiefer Gläubigkeit schlüssig sind. Da das Handwerk jeweils von den Söhnen weiter betrieben wurde und Störtebekers mutmaßlicher Enkel das Gießerhandwerk betrieb, ist es wahrscheinlich, dass eben auch Störtebeker ein Gießer gewesen ist. Ein Handwerksberuf aber schließt adelige Herkunft aus, da der Werdegang der Nachkommen bereits an der Wiege ‚vorbestimmt’ war.

Da die führenden frs. Geschlechter immer auch enge Beziehungen zu den Bistümern Münster und Bremen unterhielten, die ja selbst aus dem führenden Adel stammten, dies schon allein durch die Investitur von Laien, ist es natürlich, dass auch verwandtschaftliche Bindungen in diesem Rahmen angestrebt wurden, um die Macht auszudehnen bzw. zu festigen.

Allein, es ist ein Licht in das Dunkel der Vergangenheit getragen worden, dafür gebührt den Autoren Dank. Jetzt müssen wir versuchen, uns mit diesem Fackelschein in dem Labyrinth zurechtzufinden. Die Verknotungen, Verschlingungen, Verwicklungen der Geschlechter sind dazu angetan, viel Zeit aufzuwenden! Viel Spaß dabei!

Gunda von Dehn

[1] Die ursprünglich ins Wattenmeer führenden Maare erkennt man bei Freepsum am Bahnhof in Richtung Sielmönken und auf der anderen Seite der ehemaligen Bucht bei Uttum in der an Damhusen vorbeifließenden „alten Ehe“. In der Gemarkung Visquard gab es im 15. Jh. eine Marsmuhde, d.h. die Mündung eines solches Maars in die Bucht von Sielmönken. Alte Fahrrinne von Canhusen nördl. zur Leybucht wurde von Wildvang ermittelt. Aus den Maaren wurden später „Tiefe“, die schiffbar waren. Maare gibt es von Rysum bis Groothusen und Woquard.   – Abmessung: Maar = 15 Fuß bei 4 Fuß Tiefe           –       Tief = 24 Fuß bei 6 Fuß Tiefe

Es gab auch kleinere Entwässerungsgräben, die nur 5-6, 8 oder 12 Fuß breit und 4 Fuß tief waren. Diese waren früher für Loogschiffe noch befahrbar, es genügten in der Regel 2 ½ Fuß Wasser.

[2] 1312 Richter: Liurd Andsna (Aldersna) zu Westerhusen, Habbo zu Hinte, Wiard, Drost zu Emden, Sibrand zu Visquard,

Folkert zu Twixlum – Diese Richter setzen die Willküren für das Amasgaland (Emsigerland) fest