Grabungen

Ist die Vorburg der tom Brok gefunden?

Heute wurden die ersten Probebohrungen auf dem Grundstück Weert und Helga Dirks, Oldeborger Straße durchgeführt. Wir danken Familie Dirks auf diesem Wege recht herzlich für ihre kooperative Mitwirkung.

ausgrabung3

  1. Lagebesprechung mit Helfern im Hause Dirks.
  2. Vorbereitungsarbeiten (re. Herr Prussat von der Ostfrs. Landschaft, Aurich)

Schon vor einigen Jahren hat der damalige 1. Vorsitzende und Gründer unseres Kulturkreises ‚tom Brook‘ , Herr Dreißigacker, Forschungsmaßnahmen in diese Richtung angestrebt. Die Standortsuche, u.a. durch Infrarot-Luftaufnahmen, war sehr aufwendig. Doch konnten dadurch einige interessante Merkmale in der Bodenstruktur ausfindig gemacht werden, die auf mögliche Standorte der ‚Olde Borg‘ hinweisen.

Herr Dr. Bärenfänger von der Ostfriesischen Landschaft ist nun freundlicherweise, trotz anderer vordringlicher Projekte, dem expliziten Wunsch des Kulturkreises auf archäologische Untersuchungen nachgekommen, wofür wir auf diese Wege herzlichen Dank sagen.

Herr Arnold Weers von den Ostfriesischen Nachrichten begleitete pressemäßig das spannende Ereignis ebenso wie auch die Ostfriesen Zeitung ihren Journalisten nebst Fotografin zur Bohrungsstätte sandte.

ausgrabung5Bild: entnommene Bodenprobe

Das fast quadratische Grundstück besitzt ein auffälliges Bodenmerkmal, nämlich einen – wahrscheinlich im Laufe der Jahrhunderte am Hang leicht abgerutschten – Hügel. Gegen 10.30 betraten Herr Prussat von der Ostfriesischen Landschaft und seine Assistentin zusammen mit den Helfern das Gelände.

Heftiger Wind blies uns ins Gesicht. Die um diese Jahreszeit noch tief stehende Morgensonne sandte milde Helligkeit durch einen Wolken  verhangenen Himmel auf das Wiesengrundstück. Dem aufmerksamen Betrachter fiel sofort auf, dass das feuchte Gras in einem Abstand von ca. 1 m einen dunkelgrünen, auffälligen Ring um den Hügel zeichnete.

Herr Prussat inspizierte das von Maulwurfshügeln durchsetzte Gelände, stieß mit dem Fußspitze leicht einige dieser frischen Maulwurfshügel um. Und siehe da, schon der zweite Hügel ließ ihn fündig werden. Der Maulwurf hatte einige Tonscherben aus der Tiefe an die Oberfläche befördert. Herr Prussat verwahrte diese sofort in kleinen Plastikbeuteln.

Nun ging es richtig los. Herr Prussat holte das Bohrgestänge und die Vorschlaghämmer aus dem Auto und legte mittig – und zwar in Längsrichtung, gesehen vom Haus der Grundstücksbesitzers aus – ein Maßband aus. Im Abstand von 5 m wurden nun Probelöcher angelegt.

Eine aufwendige, schweißtreibende Arbeit. Das mit einer relativ dicken, messerartigen Spitze versehene Stahlrohr, welches auf fast ganzer Länge einen ca. 3 cm breiten Schlitz aufweist, musste in den Boden getrieben werden. Kräftige Kerls braucht man schon dazu, denn allein der Hammer hat einiges Gewicht und treffsicher muss man auch sein, um die aufgeschraubte, wenig mehr als ein Fünfmarkstück große Kuppe des Gestänge gut zu treffen. Für Frauen wie mich und Renate Janssen ist das nichts. Zum Glück waren kräftige Kerls wie Jan Tjaden und Erich Kalkwarf mit von der Partie, so dass Herr Prussat nicht allein den Hammer schwingen musste. Auch das Herausziehen des Gestänges aus der Erde erforderte ‚ganze Männer‘. Das knirschte und quatschte, wenn der saugende, nasse Untergrund das Gestänge festhielt.

Der Probenkern enthält uraltes Backsteinmaterial

Die erste Bohrung mittig des Hügels brachte hauptsächlich Sand hervor. Die Assistentin von Herrn Prussat, eine Studentin aus Norden, die in Greifwals studiert, protokollierte alles feinsäuberlich (mit von Kälte erstarrten Fingern) auf den vorgefertigten Formularen.

Schon die dritte Bohrung, die in dem dunkleren grünen Ring erfolgte, der den Hügel umschließt, zeigte, dass dort einmal eine Ortsgründung gewesen sein musste. Begeisterung! Aufregung! Aber schnell weiter…

Die folgende Bohrung zeigte überwiegend gewachsenen Boden bis hinunter auf den Grund, der durch eine blaugrüne Lehmschicht gebildet wird. Schon die nächsten Bohrungen dokumentierten einen ca. 7 m breiten ehemaligen Wassergraben.

Nunmehr wurden in Querrichtung (es entstand dadurch die Form eines Kreuzes) weitere Bohrungen gelegt. Der Graben ließ sich auch in dieser Richtung ermitteln. Manche Bohrkerne enthielten Splitter von Tonziegeln, zweimal wurde offenbar ein Ziegelstein von dem Bohrgestänge durchbohrt. Daneben fanden sich Keramikteilchen. Ein halber schlecht gebrannter, gesinterter Ziegel mit einer dünnen Lehmschicht auf einer Seite, die auf Verwendung in einem Mauerwerk schließen lässt, wurde in dem derzeitigen Graben gefunden, der das Gelände heute umschließt. Von einem Fachwerkgebäude?

Fazit:
auf diesem Gelände muss ein Gebäude mit umgebendem Wassergraben gestanden haben. Man kann vermuten, dass es sich dabei um einen Teil der Vorburg gehandelt hat.

Näheres dazu wird man erst durch Grabungen bestimmen können. Wir hoffen sehr und werden uns stark dafür einsetzen, dass diese archäologischen Arbeiten in naher Zukunft durchgeführt werden können.

Gunda von Dehn