Geschichte

Vorgeschichte

Die Entstehung Frieslands bis 1200 n. Chr.

Die Geschichte der Friesen ist mehr als 2000 Jahre alt: So wurde bereits 200 v. Chr. eine Besiedlung im damaligen Friesland nachgewiesen, das sich von der Westküste der Niederlande, den heutigen Provinzen Friesland, Groningen und Drenthe, bis etwa zur Weser erstreckte, dem heutigen Ostfriesland.

Bereits um 100 n. Chr. berichtet der Römer Plinius von Heiligen Hainen. Diese Haine wurden sowohl als Thingstätte, wo sich die Volksvertreter versammelten, als auch als Gerichtsstätte genutzt.

Bis zum Ende des 8. Jahrhunderts stand Friesland unter normannischer Herrschaft. Zur Zeit der Völkerwanderung um 400 n. Chr. sind nachweislich auch Friesen neben den Angeln und Sachsen nach England gekommen. Dort gibt es eine Reihe von Ortsnamen, die mit ‘Friese’ zusammengesetzt sind: Friston in Sussex und Suffolk, Frieston in Lincolnshire, Frisby in Leicestershire, Friesland und Frizinghall in Yorkshire und Frizington in Cumberland.

Ende des 7. Jahrhunderts hören wir von dem Friesenkönig Radbod – auch er ein Normanne. König Radbod wehrte sich erfolgreich gegen die Eroberungsbestrebungen der Franken. – Nach Radbod sind viele Wege benannt worden, z. B. der Konrebbersweg in der Krummhörn. – Nach Radbods Tod (719) wurde Friesland in das Fränkische Reich integriert.

In diese Zeit fällt auch die Missionierung Frieslands. Kaiser Karl der Große setzte zwei Missionsbischöfe ein:
Ludger – als Bischof von Münster – wurde der Westen Frieslands zugewiesen. Ludger ist bei Utrecht (744) geboren und gründete zwischen 787 und 793 die erste Kirche in Leer auf dem Plitenberg, wo vordem eine heidnische Kultstätte gewesen war.
Willehad – als Bischof von Bremen – erhielt den Osten Frieslands als Missionsgebiet zugewiesen.

Kaiser Karl der Große ließ 802 n. Chr. das Friesische Recht aufzeichnen, das sog. Lex Frisonum. Jetzt sprach man nicht mehr von Gauen sondern von “Ländern”: Diese Bezeichnung ist noch heute vorhanden wie etwa in Rheiderland, Moormerland und nicht zuletzt Süd-Brookmerland.

In dem Gesetzbuch der 17 Küren (Gesetzen), dem ältesten Denkmal der friesischen Sprache, steht zu lesen, das Vorrecht, in freiem Stande zu leben, habe König Karl den Friesen verliehen dafür, dass sie Christen würden und dem König im Süden untertan. Und in dem Rüstringer Kommentar zu den 17 Küren aus dem Jahre 1327 heißt es, König Karl habe die Friesen befreit von den eichenen Banden, den Stricken aus Bast, die sie an ihrem Halse tragen mussten. Eine gleich lautende Anmerkung ist in der Utrechter Bischofchronik verzeichnet.

Eine Bestätigung fanden diese Privilegien im September 1417 durch Kaiser Sigismund in Konstanz. – Schon 1406 hatten Oster- und Westergo den Kaiser Ruprecht um Bestätigung ihrer Privilegien hinsichtlich der Friesischen Freiheit ersucht. Im Dezember 1416 beauftragte nun Kaiser Sigismund seinen Kanzler Nicolaus Bunzlow mit der Untersuchung dieser Angelegenheit vor Ort. Im Frühjahr 1417 erschienen die kaiserlichen Abgesandten in Groningen und Westfriesland. Im September 1417 bestätigte Kaiser Sigismund die alten Privilegien der Friesen, wodurch ihnen Freiheit und Reichsunmittelbarkeit urkundlich verbrieft wurden.

Die Friesen besaßen eine Konsulatsverfassung, nach der die Konsuln und Richter vom Volk jeweils für ein Jahr gewählt wurden.
Streitigkeiten geschlichtet und Recht gesprochen wurde auf den jeweils zuständigen Freistätten (Kirchhöfen).

Jährlich fanden Versammlungen der Vertreter der 7 friesischen Seelande statt. Der Upstalsboom ist eine noch heute bekannte Begegnungsstätte aus dieser Zeit. Politische Führung und Gerichtsbarkeit lagen unmittelbar in Händen der Bevölkerung.

Die Konsulatsverfassung hatte bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts Bestand, dann wurde sie abgelöst durch die Häuptlinge, die ihre Herrschaftsräume über die örtlichen Besitzungen im Umkreis ihrer Burgen nach und nach ausdehnten. Die Circsena aus Emden wurden schließlich zu Reichsgrafen.

Die Friesen als Küstenbewohner, bekannt und auch gefürchtet als hervorragende Seeleute, waren einer ständigen Bedrohung durch die Nordsee ausgesetzt. Die ungeschützte Küste wurde häufig von Sturmfluten in ihrem Verlauf – zum Teil sogar stark – verändert. Die Friesen trugen dieser Gefährdung Rechnung, indem sie ihre Häuser auf Warften setzten. Ausgrabungen belegen, dass vielfach Fundamente übereinander lagen, die Fluten mit der Zeit also immer höher wurden und dementsprechend auch die Warften aufgeschüttet werden mussten.

Ein ganz wesentlicher Schritt zum Schutz der Bevölkerung war der Deichbau, der vor 1000 n. Chr. begann und bis heute anhält. Viele ostfriesische Orte, die heute im Inland liegen, zeigen noch Spuren ihrer Geschichte als ehemalige Häfen.

Heiko Ockenga