Anjou

Karl von ANJOU

Palazzo Reale von Neapel

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Karl von Anjou

Das Haus ANJOU

Das Königreich Neapel war heiß umkämpft, denn die testamentarischen Bestimmungen Roberts des Weisen, der einer Frau, nämlich seine Enkelin Johanna, den Thron vererbte, enthielten von vornherein Sprengstoff. Die Zusammenhänge sind diffizil und in den Erbfolge-Gesetzen begründet. Die Einzelheiten würden hier den Rahmen sprengen. Aber vielleicht ist es interessant, die Lage in Italien ein wenig zu beleuchten. Beginnen wir mit den Königen des Hauses Anjou.

Das Haus Anjou stellte im KÖNIGREICH NEAPEL folgende Herrscher:

Karl I. von Anjou König von Neapel + 1285; er wurde 1277 König von Jerusalem (Karl war ein brutaler Herrscher)
Karl II. d. Lahme König von Neapel + 1309
Robert der Weise König von Neapel + 1343

Johanna I. Königin von Neapel  Gräfin der Provence *1326, + 27.7.1382 ermordet
1. Ehe: Andreas von Ungarn Titular-König von Neapel + 1345
2. Ehe: Ludwig von Anjou-Tarent König von Neapel + 1362
3. Ehe: Jakob von Aragon-Mallorca +1375
4. Ehe: Otto von Braunschweig-Grubenhagen +1.12.1398 od. + 13.5.1399

Karl III. von Anjou-Durazzo König von Neapel + 1385
Ladislaus von Anjou-Durazzo König von Neapel + 1414
Johanna II. von Anjou-Durazzo Königin von Neapel + 1435

 

Wenden wir uns Johanna von Anjou zu, der Königin von Neapel und Gräfin der Provence, der Ocko tom Brok als Heerführer diente und die ihn zum Ritter erhob:

Jeanne2Johanna I. von Anjou, * 1326, + 27.7.1382 ermordet
Eltern: Karl, Herzog von Kalabrien (Sohn König Roberts des Weisen) und Maria von Valois

Johanna I. war schön, hochgebildet, politisch klug, kunstsinnig aber auch ausschweifend. Sie folgte ihrem Großvater Robert unter Ausschluß der Abkömmlinge der übrigen Anjou-Linien in der Regierung. Johanna wurde mit Andreas von Anjou-Ungarn, dem Bruder König Ludwigs I., vermählt. Kurz nach ihrer Thronbesteigung wurde Johannas Gemahl ermordet. Johanna gebar im Dezember 1345 einen Sohn, Karl Martell, der trotz zahlreicher Liebschaften der Königin als Kind des Andreas von Anjou-Ungarn und Thronerbe von Neapel auch von König Ludwig I. von Ungarn, dem Bruder des ermordeten Andreas, anerkannt wurde. Trotzdem verfolgte der Ungarn-König Ludwig Anjou die Verurteilung und Absetzung Johannas als Mörderin ihres Gatten Andreas. Ebenso erneuerte Ludwig den Anspruch der ungarischen ANJOU auf das Papst-Lehen Neapel-Sizilien. Die vom Papst befohlene Untersuchung der Mordtat verlief ergebnislos, weil – so heißt es – die Mordanstifter die Täter eilends hinrichten ließen. Nach Überwindung der kritischen Situation, die der Ermordung von Andreas folgte, heiratete Johanna im August 1346 Ludwig von Anjou-Tarent, mußte aber 1347 vor der Invasion des Ungarnkönig Ludwig I. zur Provence flüchten. Die Ungarn, hatten sich schon unter Andreas bei den Neapolitanern verhaßt gemacht. Nachdem Ludwig I. wegen einer Pestilenz abgezogen war, erhoben sich die Neapolitaner gegen die ungarischen Eroberer. Mit Unterstützung von Papst Clemens VI, den Johanna durch die Abtretung Avignons für sich einnehmen konnte, gelang es Johanna, 1352 nach Neapel zurückzukehren.

Die Zeit nach 1352 war geprägt von verheerenden Bandenkriegen gegen die Vetternlinien Tarent und Durazzo, und überdies von kräftezehrenden Erbkriegen um Sizilien, auf das Johanna 1372 endgültig verzichtete. Um in ihrem Land Frieden zu halten, vermählte Johanna sich nach dem Tode Ludwigs von Tarent (1362) mit Jakob von Aragaon-Mallorca, auch er ein Anjou. Jakob (* 24.8.1336, + 16.1.1375) war der Sohn und rechtmäßige Nachfolger von König Jakob III. von Mallorca (+ 1349). König Jakob III. von Mallorca hatte im Jahre 1344 sein Königreich an König Peter IV. von Aragon verloren und sich mit seiner Familie in Gefangenschaft begeben müssen. Sein Sohn Jakob war seitdem, also als 8-jähriger Knabe, bis zu seiner Flucht, wenige Monate vor der Eheschließung (1362) mit Johanna von Neapel, – insgesamt also 18 Jahre lang – in einem eisernen Käfig in Barcelona eingesperrt gewesen. Die psychischen Schäden seiner Gefangenschaft zeigten sich bereits in den ersten Ehejahren und führten zur Trennung von Johanna. Sofort nach dem Tode ihres Sohnes Karl-Martell (aus der Ehe mit Andreas von Ungarn-Anjou) sicherte Johanna ihrem Vetter Karl von Durazzo die Erbfolge zu. Jakob, hierüber verärgert, zog sich nach Mallorca zurück, wo er 1375 verstarb. Als Johanna nach Jakobs Tod eine vierte Ehe mit dem Condottiere Otto von Braunschweig-Grubenhagen einging, rebellierte Johannas Adoptivsohn Karl von Anjou-Durazzo. Karl Anjou-Durazzo wurde unterstützt von dem römischen Papst Urban VI. gegen Johanna. Für Johanna erklärte sich Clemens VII., der Gegenpapst in Avignon (es ist die verworrene Zeit des Schismas). Königin Johanna I. wurde von ihrem Adoptivsohn Karl von Durazzo gefangengenommen und zu Muro erdrosselt (+ 1382).

Zwischenzeitlich hatte Johanna, um die Thronfolge zu klären sowie auch um Unterstützung zu erhalten, Ludwig I. Anjou zum Erben eingesetzt. Ludwig I. von Anjou traf aber erst im Jahre 1384 in Italien ein, Neapel hat er nie erreicht. Johanna von Anjou und Ludwig von Anjou haben als Urenkel zu Karl II. von Anjou denselben Verwandtschaftsgrad. Aus dieser Sicht war Ludwig von Anjou als männlicher Nachkomme erbberechtigt. Unter diesen Voraussetzungen ist das dynastische Problem zu verstehen, dem Königin Johanna von Anbeginn ihrer Herrschaft an ausgesetzt war.

Zu den Kriegen des Hauses Anjou kamen hinzu die Machtkämpfe der Päpste, der Visconti (der Tyrann Bernabo Visconti von Mailand), della Scala und anderer Fürsten, die Invasion der „Großen Compagnie“ des Grafen von Landau 1355 u.v.m.

Italien war ein einziges Schlachtfeld und zwischen England und Frankreich tobte der Hundertjährige Krieg. Ob Ocko tom Brok hier mit von der Partie war? Diese Mutmaßung ist wohl nicht unbedenklich von der Hand zu weisen. Auf dem Kontinent herrschten fast überall Krieg und Chaos. Viele Hasardeure verdienten sich als Söldner und Freischarführer ihr Brot und mancher ist als reich begüterter Mann heimgekehrt.

Im Brookmerland war Ihmel, Ockos jüngerer Bruder, der Erbe. Es war in jenen Zeiten üblich, daß nicht erbberechtigte Söhne ihr Glück auf Heerfahrten und den Schlachtfeldern Europas suchten.  Vielleicht war Ocko tom Brok ein Condottiere wie Herzog Otto von Braunschweig, der später Königin Johannas 4. Ehemann wurde. Diese Einlassung zu Ritter Ocko I. von Eggerik Beninga ist unter Historikern umstritten und bleibt noch zu belegen. Interessant in Beningas Chronik ist allerdings der Hinweis auf den ‚Boyocken‘, einer silberner Gedächtnismünze, obwohl bisher keiner dieser silbernen Gedächtnispfennige gefunden wurde. Beninga schreibt, daß diese Münze zu seiner Zeit (um 1550) noch „… in Neapolis und gantz Italien gangber sinnen‘, also als Zahlungsmittel verwendet wurde. Vielleicht finden wir doch noch eines Tages ein Stück?

Gunda v. Dehn in Zusammenarbeit mit Annette v. Dehn M.A.

 


Letzte Änderung 24.Juni 2016